nicht lediglich durch freundschaftliche Gefühle einerMacht gegenüber hat bestimmen lassen, gegen derenwachsende Entwicklung die Verstärkungen derbritischen Flotte trotz gelegentlicher Ableugnungdoch als Sicherungsmittel und als Gegengewicht inerster Linie gedacht sind. Je günstiger der Vorschlagbei richtiger Bewertung aller in Frage kommendenVerhältnisse sich schließlich für England gestaltenwürde, um so größer das Verdienst des britischenMarineministers, und ich vermag einen Vorwurf gegeneinen Staatsmann nur dann zu erheben, wenn er dieInteressen seines eigenen Landes nicht gebührendwahrnimmt oder Naivität an den Tag legt bei Be-urteilung der Absichten fremder Kollegen. Der Vor-wurf der Unredlichkeit wäre wohl dann besonders zu-treffend, wenn es erwiesen wäre, daß Mr, Churchill uns bewußt unwahre Angaben gemacht hätte.
Die geographische Lage Englands uns gegenüberund das günstige Urteil, das hier im allgemeinen überdie Leistungsfähigkeit unserer Seemacht besteht,machen es begreiflich, daß einem britischen Ministerder Wunsch vorschwebt, eine Bresche in unserFlottengesetz zu legen. Je größer und stärker unsereFlotte, um so lästiger wird die Pflicht der britischenRegierung, ein Machtmittel stets bereit zu halten,dessen bloßes Vorhandensein schon genügt, um ihrenpolitischen Einfluß unter allen Umständen und mitNachdruck zur Geltung zu bringen.
Aus obigen Erwägungen würde ich es bedauern,wenn die britische Flottenpolitik bei uns ab irato be-urteilt und das Vorgehen des Herrn Churchill zu Ver-stimmungen führen würde. Ich möchte es vielmehr imInteresse einer ungestörten Weiterentwicklung derpolitisch so überaus wichtigen Annäherung für er-wünscht halten, wenn wir eine entsprechende An-
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