griff Österreichs auf Serbien nicht dul-den könne. Herr Take Jonescu meint, daß Ruß-land, falls Österreich serbisches Gebiet betrete, sichgenötigt sehen werde, selbst auf die Gefahr einerNiederlage hin, militärisch einzugreifen. Aus Äuße-rungen des kürzlich, und zwar vor dem Attentat inSarajewo in Bukarest gewesenen Botschafters Mark-grafen Pallavicini will der rumänische Staatsmann ent-nommen haben, daß Österreich schon vor der Er-mordung den Krieg gewünscht und auf eine passendeGelegenheit gewartet habe, um seine durch die Politikdes Grafen Berchtold verlorengegangene Stellung aufdem Balkan wiederherzustellen. Auch er betrachtetdie Lage als überaus ernst und gab mir zu verstehen,daß Rumänien bei einem neuen Balkankriege nichtgleichgültig bleiben könne und den Bukarester Friedenerhalten wissen wolle.
Das Verhältnis zu Österreich bezeichnete HerrTake Jonescu als schlecht, der russische Besuch seidem König Carol daher ungelegen gekommen, er habeihn aber nicht abweisen können.
Noch vor 14 Tagen sei Rumänien bereit gewesen,eine größere Truppenmacht nach Albanien zu senden,falls jede der Großmächte auch nur 100 Mann hin-schicken wollte. Ob diese Bereitwilligkeit heute nochbestehe, könne er mir nicht sagen. Er glaube nicht, daßdie aufständische Bewegung in Albanien von serbi-scher oder griechischer Seite genährt werde, sie seivielmehr von den Jungtürken ausgegangen, dieglaubten, daß bei neuen Verwicklungen wieder etwasfür sie abfallen könne. Serbien wisse genau, daß manes nicht nach Nordalbanien lassen werde, und ihm seider Fürst Wilhelm lieber wie eine österreichisch-italienische Besetzung. T , , ,
Lichnowsky.
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