Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
264
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Ich erachte es als meine Pflicht, Eure Exzellenzdarauf hinzu weisen, daß die hiesige Regierung meinerÜberzeugung nach solange bestrebt sein wird, eineuns freundschaftliche und möglichst unparteiischeHaltung einzunehmen, als sie an unsere aufrichtigeFriedensliebe glaubt und an unser Bestreben, Handin Hand mit England an der Abwendung des auf-steigenden europäischen Gewitters mitzuwirken. DieZurückweisung seines Vorschlages aber,zwischen Österreich und Rußland zu ver-mitteln, oder eine schroffe Haltung, diezu der Annahme berechtigen könnte, daßwir den Krieg mit Rußland herbeiwün-schen, würde wahrscheinlich zur Folgehaben, England bedingungslos auf dieSeite Frankreichs und Rußlands zu

treiben.

Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

London , 25. 7. 1914

rhalte soeben folgenden eigenhändigen Brief Sir

J^Edward Greys: Anbei den voraussichtlicheninhaltder serbischen Antwort, der mir soeben mitgeteiltworden ist. Es scheint mir, daß er einen günstigenEindruck in Wien machen müßte, aber es ist schwerfür jeden, der nicht Verbündeter ist, der öster-reichischen Regierung nahezulegen, wie sie dieseAntwort auffassen solle.

Ich hoffe, daß, wenn die serbische Antwort beiihrem Eintreffen in Wien diesen voraussichtlichen In-halt entspricht, die deutsche Regierung es für möglicherachten wird, die österreichische Regierung dahin zubeeinflussen, daß sie diese Antwort günstig auffaßt.

Lichnowsky.

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