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2 (1927)
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AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

London , 26, 7. 1914

H abe soeben mit Sir A. Nicolson und Sir W. Tyrrellgesprochen. Nach hier vorliegenden Nachrichtensteht allgemeine Einberufung russischer Reservistennicht bevor, sondern nur partielle Mobilisierung fernunseren Grenzen. Beide Herren erblicken imVorschläge Sir E. Greys, hier Konferenzzu vier abzuhalten, einzige Möglichkeit,allgemeinen Krieg zu vermeiden undhoffen, daß es hierbei gelingen werde, Österreich volleGenugtuung zu verschaffen, da Serbien eher geneigtsein würde, dem Drucke der Mächte zu weichen undsich in deren vereinten Willen zu fügen als denDrohungen Österreichs. Unbedingte Voraussetzungsei aber für Gelingen der Konferenz und für ErhaltungFriedens, daß alle militärischen Bewegungen unter-blieben. Sei erst serbische Grenze überschritten, sowäre alles verloren, denn keine russische Regierungwürde dies dulden können und zum Angriff gegenÖsterreich zu schreiten gezwungen sein, falls sie nichtihre Stellung bei den Balkanstaaten für immer ver-lustig gehen wollte. Sir W. Tyrrell, der Sir E. Greynoch gestern abend gesehen hat und von dessen An-sichten genau unterrichtet ist, wies mich wiederholtund mit Nachdruck auf die ungeheure Wichtigkeit hin,daß bis zur Erledigung der Konferenzfrage serbischesGebiet nicht berührt werde, da sonst alle Bemühungenvergeblich und der Weltkrieg unabwendbar sei. Diein Berlin erhoffte Lokalisierung des Kon-flikts sei vollkommen unmöglich und müsseaus der praktischen Politik ausscheiden. Gelängeuns beiden, Seiner Majestät dem Kaiserbezw, dessenRegierungundVertreternimVerein mit Sir E. Grey, den europäischen

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