Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
281
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teilte und vom Grafen Benckendorff hier übermittelteAntwort des Herrn Sasonow über Umwandlung desUltimatums bezeichnete ich dem Minister als un-annehmbar und hielte es daher für praktischer, dasWort Ultimatum überhaupt nicht mehr zu erwähnen.

Der Minister war vollkommen ruhig und schiennoch nicht alle Hoffnung aufgegeben zu haben.

Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

London , 30. 7, 1914

E inziger friedlicher Ausweg liegt nach meiner undhiesiger Auffassung darin, daß Graf Berchtold durch uns veranlaßt wird, zu erklären, er sei mitRücksicht auf europäischen Frieden und die Wünscheseiner Verbündeten bereit, sich mit bisherigen Erfolgenvorläufig zu begnügen, militärische Operationen einst-weilen einzustellen und sich durch unsere Vermittlungmit Sasonow über Serbien aufzuerlegende Bedingungenzu unterhalten, falls russische Regierung weitereRüstungen an österreichischer Grenze unterläßt. Habein diesem Sinne auch mit österreichisch-ungarischenKollegen gesprochen. Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 30. 7. 1914

S ir Edward Grey und Mr. Asquith gaben heute imUnterhaus Erklärungen ab, in denen sie großen Ernstder Lage betonten. Ersterer teilte mit, daß England nach wie vor das eine große Ziel der Wahrung desFriedens verfolge. Asquith ließ amendment bill vonTagesordnung fallen, da Parteistreit augenblicklichnicht am Platze und England , das selbst nicht direktinteressiert sei, geeinte Front darbieten müsse. Erhoffe, daß der Patriotismus aller Parteien dazu bei-tragen werde, das drohende Verhängnis, wenn nichtabzuwenden, so doch wenigstens zu umgrenzen.

Lichnowsky.

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