liehen Entwicklung geltend machten. Auch sei nachhiesigen Nachrichten bisher lediglich die Einberufungder Urlauber an der deutschen Grenze erfolgt. Eigent-liche Kriegsvorbereitungen, wie Einberufung derReservisten, seien nicht erfolgt. Er wird übrigensheute nachmittag mit Cambon sprechen und hat michnochmals zu sich bestellt, um mir das Ergebnis mit-zuteilen.
Was die russischen Rüstungen betrifft, so wird erversuchen, im gewünschten Sinne durch Graf Bencken-dorff heute noch zu wirken.
Der Minister hofft zuversichtlich, daß es der ver-mittelnden Tätigkeit Ew. Exzellenz gelingen werde,eine Einigung herbeizuführen, und will auch in Peters-burg im Sinne seines Vorschlages wirken. Zu einemVertrauten hatte er heute früh gesagt, daß, wenn esdem deutsch -englischen Zusammenwirken diesmal ge-länge, den Frieden zu retten, so glaube er, daß unsereBeziehungen für alle Zeiten sichergestellt seien, unddaß es ihm in Zukunft glücken werde, durch ent-sprechenden Einfluß auf seine Genossen die Wieder-holung ähnlicher Krisen zu verhindern.
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 30. 7. 1914
S ir E. Grey zeigte mir soeben ein Telegramm anSir George Buchanan , worin er ihn anweist, unsereAnregung zu unterstützen, in Besprechungen überVerständigung sich einzulassen, falls Österreich ein-willige, nach Besetzung gewisser Grenzorte Feind-seligkeiten einzustellen. Auf meinen Wunsch isthierin vom österreichischen Ultimatum überhauptnicht mehr die Rede, sondern lediglich von Unter-handlungen über die Serbien aufzuerlegenden Lastenund Verpflichtungen. Die dem Grafen Pourtales er-
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