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2 (1927)
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2. daß wir im Falle der englischen Neutralität unsmit unserer Flotte nicht im Kanal und der NordküsteFrankreichs nähern wollten.

Letztere Erklärung gab ich ab nach Rücksprachemit dem hiesigen Marineattache. Ich hoffe nochimmer, daß es möglich sein wird, auf dieser Grundlageeine Einigung zu erzielen, da man hier einsieht, daßdurch einen Waffengang mit uns weder für Frankreich noch für Belgien ein Vorteil entstehen könnte. Obletzterer zu vermeiden sein wird, hängt zum großenTeil von der Stimmung im Kabinett sowie von derhiesigen öffentlichen Meinung ab, die vielleicht durchunser Vorgehen in Belgien in allzu stürmische Er-regung versetzt werden könnte.

Sir W. Tyrrell gab mir zu verstehen, daß man nachden Telegrammen Herrn de Bunsens in Österreich zuder Auffassung gelange, daß, da wir die Angreiferseien und nicht angegriffen worden wären, der Wort-laut des Dreibundvertrages Österreich nicht zur Mit-wirkung verpflichtet. Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 3. 8. 1914

S ir W. Tyrrell mitteilte im Gespräch, daß belgischerGesandter heute nachmittag Wortlaut deutschenUltimatums und belgische Antwort übergeben habe,Kabinett berate eben hierüber, Verständigung desUnterhauses sei wahrscheinlich. In Hinsicht auf SirGreys heutige Rede bemerkte der Diplomat, dieFrage, ob Durchmarsch deutscher Truppen durch Bel-gien England zur Aufgabe seiner Neutralität veran-lassen werde, sei vorläufig weder mit ja noch mitnein zu beantworten. Endgültige Beschlüsse würdenerst gefaßt, wenn über die Haltung des UnterhausesKlarheit geschaffen sei. Lichnowsky.

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