Ein Staatswesen auf demokratischer Grund-lage mit sozialpolitischen Tendenzen,nicht aber ein Sprung ins Land Utopia, bei dem wiruns Hals und Beine brechen!
Will man hohe direkte Steuern erheben und dabeinatürlich den kleinen Mann möglichst entlasten undzu diesem Zwecke gar noch alle indirekten Steuernabschaffen (welch letzteres aus finanziellen Gründenvöllig undurchführbar und auch volkswirtschaftlichverfehlt wäre), so ergibt sich logischerweise um somehr die Notwendigkeit, die Hennen nicht zu schlach-ten, von denen man goldene Eier fordert, die Kapital-bildung also nicht zu verhindern, sondern sie zu för-dern ! Nur bei hohen Einnahmen und zwarbei möglichst vielen hohen Einnahmensind hohe Steuern denkbar, die doch not-wendig sind, um die ungeheuren Lasten des Reicheszu verzinsen. Woher sollen denn die Steuern kommen,wenn es keine zahlungsfähigen Bürger mehr gibt, wennder Unternehmergewinn derartig eingeengt wird, daßniemand mehr Lust hat, ein Geschäft zu betreiben,ein Risiko zu übernehmen oder gar etwas zurück-zulegen, weil ihm doch nichts mehr zur freien Ver-fügung gehört und er und sein Eigentum unter derVormundschaft der „Gesellschaft" stehen?
Die „Vergesellschaftlichung" ist ein Ideal, das wirniemals ganz erreichen können, dem wir aber immernäher kommen. Dafür sorgen schon die Reichs-schulden, Steuern, Monopole, hohe Löhne und die so-zialpolitische Gesetzgebung. Die Verwirklichungwürde aber sowohl den Tod des Ideals wie den der„Gesellschaft“ bedeuten,
„Ich weiß, warum es keine wirkliche Sittlichkeitund Gerechtigkeit gibt“, sagte Konfuzius, „die Weisenin ihrem geistigen Stolz gehen zu weit, und die Toren
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