Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Regierung zum Einheitstaate geführt und den Schwer-punkt der Machtbefugnisse von den Einzelstaaten undDynastien, oder richtiger gesagt, von der Haus- undVormacht Preußen , in die gewählte Volksversamm-lung verlegt. Die oft wiederholte Behauptung, eineparlamentarische Regierung wäre mit dem föderalisti-schen Charakter des Reiches unvereinbar, war in-sofern zutreffend, als der föderalistisch-dynastischeAufbau auf der konservativen Weltanschauungberuhte, die die Krone oder die Kronen im Gegensatzzur Volksvertretung verklärt! Die Dynastie ist derKopf, Militär und Beamtentum sind das Gerippe desStaatswesens, dem Volke aber fällt etwa die Rolleder Hände zu, während die Landwirte als die Beineerscheinen. Daher war auch der Standpunkt Bis-marcks der Sozialdemokratie gegenüber gegeben, erkonnte sie nicht anders als eine Störung in seinem Or-ganismus betrachten und immer nach neuen Medi-kamenten greifen, um diese zu beseitigen.

Der aus konservativen Anschauungen hervor-gegangene Reichskörper war aber so kräftig und hattesich mit Hilfe des kapitalistischen Bürgertums, dasdem militärischen und bureaukratischen Gerippe neueund willkommene Kräfte zuführte, so glänzend ent-wickelt, daß es eines schweren Unfalls bedurfte, umihn zu vernichten; sich selbst überlassen mit einemvernünftigen Regime, hätte er noch lange bei strotzen-der Gesundheit gedeihen können. Dieser Unfall tratnicht wie in England und in Frankreich als Folgefinanziellen Siechtums ein, oder wie in Rußland alsdas Ergebnis einer morschen Verwaltungskonstitution;eine wahnwitzige Außenpolitik hat das BismarckscheDeutschland zerstört.

Mit dem gewiß höchst beklagenswerten Zusammen-bruch der Firma Hohenzollern u. Co. und der mo-

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