Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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narchischen G. m. b. H. sieht sich das deutsche Volkvor die Aufgabe gestellt, eine neue Gesellschaft zubilden. Das seit dem Jahre 1848 nach dem kläglichenAusgang der Nationalversammlung und der Revolu-tion in Verruf geratene demokratische Prinzip trittjetzt siegreich hervor, nachdem das konservative Ge-bäude, dem die Reaktion der fünfziger Jahre und diespäteren militärischen Erfolge zur Grundlage dienten,im Weltkriege zusammengebrochen ist. Scheitertedamals der republikanische Einheitsgedanke an derMacht der Dynastien und an der Anhänglichkeit derleitenden Kreise an die altgewohnten Verhältnisse, dermonarchische Einheitsgedanke aber hauptsächlich andem Widerwillen Friedrich Wilhelms IV. und seinerUmgebung vor einer Verbrüderung mit der Revolutionunter Preisgabe alleraltpreußischen " Traditionen,so hat die jüngste Revolution alle Hindernisse hinweg-geräumt, die sich dem demokratisch-nationalen Staats-und Einheitsgedanken bisher entgegenstellten.

Es fragt sich nun, ob mit dem Fortfall der Dy-nastien auch die dynastischen Gebilde, diebisherigen Bundesstaaten, die mit alleiniger Ausnahmeder freien Städte im engsten Zusammenhänge mit denregierenden Geschlechtern entstanden sind und auchvor hundert Jahren lediglich vom Gesichtspunkte derHauspolitik geschaffen, erweitert oder erhalten wur-den, ob diese Staaten nunmehr jede Berechtigung ver-loren haben, oder ob alte Gewohnheit, Stammeseigen-art, engeres Heimatsgefühl, und wie die löblichenTugenden alle noch heißen, ein ferneres Sonderlebenrechtfertigen. Wir sehen außerdem Bestrebungen, auseinzelnen Teilen der preußischen Monarchie besondereRepubliken erstehen zu lassen und auch andererseitsmehrere Kleinstaaten zu Republiken zusammen-zuschließen.

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