Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
320
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Es läßt sich nicht leugnen, daß, wenn überhaupt,eine staatliche Gliederung einzelner deutscher Landes-teile nach historischen, wirtschaftlichen odervölki-schen Gesichtspunkten gerechtfertigt wäre, Schlesieroder Rheinländer den gleichen Anspruch erhebendürfen wie etwa Bayern oder Mecklenburger. DieVereinigung der ersteren zu einem Staatswesen istzu jung, um die Gegensätze des Volkscharakters so-wie wirtschaftliche und lokale Sonderinteressen ganzvergessen zu lassen. Das gemeinsame Band der Dy-nastie ist verschwunden, wenn auch das der Bureau-kratie vorläufig noch besteht, und das Bewußtseintritt hervor, daß die enge Verbindung hauptsächlichein Ergebnis dynastischer, also jetzt obsoleter Politikwar. Es kommt noch eins hinzu: ein weitverbreiteterWiderwillen gegen das sogenannte Preußentum, ver-körpert durchBureaukratie, Militarismus und,.Junker-tum. Man hat es erduldet, so lange alles gut ging,und es durch seine Erfolge in der Vergangenheit, wiedurch Gewissenhaftigkeit und Tüchtigkeit in derGegenwart in glänzendem Lichte erstrahlte. Manliebte es nie, es war aber sehr geachtet, und zwarmit vollem Rechte. Mit dem Verschwinden des ancienregime, der Dynastie, des Militarismus und einer kon-servativ gefärbten Bureaukratie erlischt aber auchder alte Nimbus des Preußentums, man macht es so-gar, und vielleicht nicht ganz mit Unrecht, für dieKatastrophe mitverantwortlich. Das Los-von-Berlin,das Los-von-Preußen, wird zur Parole,wir wollenDeutsche sein, aber uns nicht von Preußen oder vonBerlin was vorschreiben lassen! Die Furcht vor derBerliner Ochlokratie, vor der Berliner Diktatur vonunten, statt der früheren von oben, trägt auch dazubei, den Separatismus zu stärken, das Bestreben nachBildung von Sonderrepubliken zu fördern.