Der Separatismus aber muß überwundenwerden, genau so wie der Spartakismus. Beidessind Kinderkrankheiten der Republik, Begleiterschei-nungen des jähen Umsturzes, der plötzlichen Umwer-tung aller politischen Werte!
Die französische Revolution hat allehistorischen Erinnerungen zerstört. Im November 1789ersetzte bekanntlich die Pariser Nationalversammlungdie bisherigen Provinzen durch 83 nach geographischenBenennungen bezeichnete Departements. „Une etindivisible“ war der Grundsatz, der Gedanke, dieSchaffung einer über alle Teile des Landes reichen-den machtvollen Zentralgewalt. Die große Revolutionhat vielleicht mit den Erinnerungen der Vergangen-heit zu gründlich gebrochen. Die Zentralisierung istmit Hilfe des bureaukratischen Präfektensystems soweit durchgeführt, daß für die Geschicke Frankreichs eigentlich nur noch Paris maßgebend bleibt und dasdortige Parlament. Aber sie hat einen einheitlichenund widerstandsfähigen Organismus erzeugt, in demdas Nationalgefühl alle regionalen und sozialen Gegen-sätze zurückdrängt, der das Land befähigt hat, dieschwersten Stürme zu überstehen und, wie wir ge-sehen, einen über Erwarten entschlossenen Wider-stand zu leisten.
Italien , das neben einer Theokratie ebenso wiewir aus dynastischen Staaten bestand, wurde durcheine monarchistische Revolution geeinigt. Es zerfälltganz ähnlich wie Frankreich in 69 Provinzen, diewiederum in 16 historische Compartimenti verbundensind. Auch hier hat sich das Bedürfnis nach födera-listischer Fortführung der staatsrechtlichen Über-lieferungen nicht geltend gemacht. Der demokratischeGedanke hat sowohl in Frankreich wie in Italien zumEinheitsstaat geführt.
21 Lichnowsky II
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