Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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daß niemand daran dächte, das deutsche Volk zu ver-nichten, sondern nur das System, die Autokratie, denMilitarismus, daß wir doppelt berechtigt wären, alleZumutungen, die über eine wohlwollende Aus-legung der 14 Punkte hinausgehen, unbedingt ab-z u 1 e h n e n.

Wenn Polen Danzig verlangt, so könnten die Tsche-chen mit gleichem Rechte Hamburg beanspruchen!Weshalb denn nicht? Beides sind alte deutsche Hansa-städte, und Hamburg liegt an der Mündung der Elbe,wie Danzig an der der Weichsel. Um von uns un-abhängig zu sein, braucht Böhmen den Besitz vonHamburg und einesKorridors" längs der Elbe dahin!

Die polnische Frage ist tatsächlich unlöslich,wenn die Entente darauf besteht, einen völlig selb-ständigen Staat zu schaffen, statt Polen wie auch dieUkraine, Litauen, Kurland und alle anderen Bestand-teile des russischen Reiches zu den VereinigtenStaaten von Rußland, etwa nach nordamerika-nischem Muster, zusammenzuschließen. Wenn derBolschewismus zusammenbricht, dann ist der Augen-blick gekommen, um den Zusammenschluß zu bewerk-stelligen, der schon deshalb angezeigt erscheint, weildas neue Rußland sich mit den Grenzen aus der Zeitvor Peter dem Großen und ohne Zugang zum Meereauf die Dauer nicht abfinden könnte. Eine Zerstücke-lung Deutschlands mit einer Zickzackgrenze gegenPolen aber würde ebenso wie eine ZerstückelungRußlands, das, wenn auch keine ethnische, so docheine geographische und wirtschaftliche Einheit bildete,den Keim zu neuen Konflikten und Kriegen liefern.

Eine Einigung mit Tschechien wäre unschwer zuerreichen, wenn wir auf den Anschluß von Nord-böhmen und Nordmähren verzichten, den böhmischenWünschen hinsichtlich der Elbschiffahrt und der

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