Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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zwischen der Revolutionspsychose gewichen:ist, heute in Paris die herrlichsten Blüten. Michwundert nur, daß die französischen Wünsche amRheine haltmachen statt bis an die Elbe zu gehen.Alles übrige käme dann an Polen! Das entsprächedoch dem Reiche Karls des Großen und unsere Gren-zen bis Otto dem Großen!Historische Grenzen istein sehr dehnbarer Begriff, da spielen einige Jahr-hunderte keine Rolle. Gehörte nicht Oberschlesien bis1163 zu Polen? Wohnen da nicht auch Polen undDeutsche? Ist nicht Westpreußen durch die Schlachtvon Tannenberg von den Jagellonen zurückerobertworden? War nicht Ostpreußen einst polnischesLehen? Warum sollten sie nicht alle an Polen zurück-fallen?

Wo gibt es überhaupt im Deutschen Reicheun-bestritten" polnische Gebiete? Ist nicht der Streit umdie Ostmarken so alt wie die deutsche Geschichteselbst, ein Streit, der schließlich zugunsten der höherenOrdnung und Gesittung entschieden wurde, die den.gemischtsprachigen, früher polnischen Bezirken Wohl-stand und wirtschaftliche Entwicklung brachten?Waren es nicht gerade England und Frankreich, dieuns auf dem Wiener Kongreß polnische Landesteileanboten, während Preußen sich mit der geographisch,strategisch und wirtschaftlich damals wie heute gleichnötigen Verbindungslinie zwischen Schlesien und Ost-preußen begnügte?

Warum werden wir nicht ebenso behandelt wiedamals Frankreich, das seine alten Grenzen zurück-erhielt, und dessen Vertreter, Fürst Talleyrand, er-klären konnte, er sei der ministre de Sa Majeste Tres-Chretienne und weder er noch Frankreich seien fürdie Sünden der Vergangenheit verantwortlich? UnsereGegner haben während des Krieges so oft verkündet,

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