und um Jahrzehnte zurückgeworfen, nicht aber dauerndausgeschaltet werden kann, und daß die allgemeineWeltpolitik mit dem deutschen Staate später ebensozu rechnen haben wird, wie etwa auch mit demrussischen.
Rußland hat durch den Krieg noch viel mehr ge-litten als wir, es wäre aber auch verfehlt, Rußland alspolitischen und wirtschaftlichen Machtfaktor für dieZukunft außer Betracht zu lassen. Seine Teile werdensich nach Überwindung des Bolschewismus voraus-sichtlich auf neuer demokratisch - föderalistischerGrundlage zusammenfinden. Das Russentum wird trotzaller schönen Theorien über Selbstbestimmungsrechtund Völkerbund sich auch fernerhin in Asien aus-dehnen und neue Gebiete erwerben, also eine halb-asiatische Großmacht bleiben. Hat es die amerikani-sche Union den Indianern, Franzosen, Spaniern,Negern, ja auch den Russen (in Alaska) gegenübernicht gerade so gemacht? Hat sie sich nicht aus denprimitivsten agrarischen Ansiedelungen zur erstenKapitalsmacht der Welt entwickelt? Ist der angel-sächsische Kolonisator nicht immer weiter nach demWesten und nach dem Süden seines Erdteils vor-gedrungen und mit ihm das Sternenbanner? Hat nichtdie Union auch die Hand auf die Philippinen, Hono-lulu, Cuba und Haiti gelegt? Warum sollte das repu-blikanische Rußland nicht ganz ähnlich in Persien, Zentralasien und in der Mongolei vorgehen, da, woder russische Siedler und Kaufmann unterstützt vomSoldaten den geringsten Widerstand findet?
Die Weltpolitik wird in Zukunft mit uns rechnenmüssen, wie auch mit Rußland, wenn wir auch nichtmehr in der Lage sind, mit demselben Nachdruck undgleichem Ansehen aufzutreten wie von 1871 bis 1914,und die Möglichkeit, uns auf fremden Erdteilen unter
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