eigener Fiagge auszubreiten, uns wohl genommen ist.Ein dauernder politischer und wirtschaftlicherBoykott ist aber schon deshalb unwahrscheinlich, weildessen notwendige Voraussetzung die vollkommeneEinigkeit aller übrigen Völker bildet, diese Einigkeitaber erfahrungsgemäß nur so lange besteht, wie dergemeinsame Gegensatz. Der Haß, die Entrüstung alleingenügen nicht auf die Dauer, so stark diese Gefühleauch zur Zeit bei allen unseren Gegnern noch hervor-treten. Allmählich drängen andere und zwar materielleund abweichende Erwägungen in den Vordergrund, dieEinigkeit der Gegner, die auf der gemeinsamen Ge-fahr und Bedrohung beruhte, zerbröckelt. Durch einePolitik, über deren erbliche Belastung die Klagen nichtverstummten, und die in regelmäßiger Abwechslungvon önologischen und von pathologischen Beamten ge-leitet wurde, eine Geschäftsgebarung, die nur mit derdes „Fürstenkonzerns" zu vergleichen war, hatten wires dahin gebracht, daß alle anderen Großmächte ihreGegensätze begruben und sich zum Schutze gegen unsverbanden. Sie bildeten eine auf gegenseitige Ver-sicherung gegen Kriegsgefahr beruhende Genossen-schaft und erweiterten diese schließlich über dasganze Erdenrund, als unsere letzte Kraftprobe miß-glückte und nachdem sie zum Weltkriege geführt hatte.
Mit unserer Niederlage ist die frühere Gefahr ver-schwunden, eine neue aber tritt für die übrige Mensch-heit höchstens noch in der Form des Bolschewismus,nicht mehr aber in der des Militarismus hervor. Auchdie neue „Heilige Allianz" wird und muß sich dahermit der Zeit lockern, wenn wir auch mit ihr unteramerikanischem Ehrenpräsidium und englischem Prä-sidium zu rechnen haben. Von hehren Theorien undMaximen allein können weder Menschen noch Völkerleben, ebensowenig wie von Haß und von Liebe. Eine
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