Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
341
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ganz neue Welt - und Staatenordnung aber wird derVölkerbund ebensowenig einführen, wie etwa dieSozialdemokratie eine neue Gesellschafts- und Wirt-schaftsordnung. Das Ergebnis des Krieges wird schließ-lich nach beiden Richtungen nur eine beschleunigteWeiterentwicklung sein, ein Ruck nach einem be-stimmten Ziele, dem demokratischen Ideal.

Der Kernpunkt des Völkerbundes ist das Zwangs-schiedsgericht für internationale Streitigkeiten. Allebeteiligten Staaten werden sich verpflichten, ihreGegensätze nicht durch Waffengewalt auszutragen, son-dern sie durch den Urteilsspruch eines Völkergerichts-hofes zu erledigen. Der Völkerbund ist die Welt-entente, die Verwandlung der bisherigen Kampforgani-sation in eine Schutzorganisation, der wir vielleichtangeschlossen sind, die aber dafür sorgt, daß wir nichtneue Händel suchen. Denn darüber können doch nurpolitische Kinder im Zweifel sein, daß der Völker-bund nicht etwa gegen amerikanische, englische, fran-zösische oder italienische Übergriffe, sondern vorallem gegen das rauflustige Germanentum gerichtet ist.

Wird etwa die Union, falls in einer der spanischen Republiken Leben und Eigentum nordamerikanischerBürger oder die Interessen großer Handelsgenossen-schaften durch Anarchie oder Revolution gefährdetsind, zugunsten des Völkerbundes darauf verzichten,nötigenfalls durch Heer oder Flotte ihre Rechte zurGeltung zu bringen? Wird England, falls in Persien, Afghanistan, Tibet, oder sonstwo britische Interessenauf dem Spiele stehen, sich des Eingriffs enthalten undsich an den Völkerbund wenden oder bei einem Auf-stand in Indien, in Ägypten oder in Südafrika sich derVermittelung des Schiedsgerichts bedienen? Sind nichtHindus, Araber, Buren und Kaffern auch Menschenund gleichberechtigte Nationen? Werden Engländer