und Amerikaner ihre Flotten abschaffen und abrüsten?Sie denken nicht daran. Sie betrachten sich vielmehrals das brachium seculare des Völkerbundes, derWeltentente, dazu berufen, die Weltpolizei aus-zuüben, den Machtfaktor der Friedens-organisation zu bilden. Der Weltkrieg hat, wieich voraussah und sagte, zur angelsächsischen Hege-monie und Weltherrschaft geführt. Mit dieser habenwir zu rechnen, wenn sie auch in der Gestalt desVölkerbundes auftritt. Es ist die Pax Britannica,„Rule Britannia" als Schäferlied. Fügen wir uns nichtdem Urteil des Areopags, so entsteht eben ein neuerWeltkrieg. Alles übrige ist Ideologie, Geschwätz vonKannegießern und Phrasengießkannen.
England braucht uns aber als Gegengewichtgegen Frankreich und Rußland. Es braucht uns so-wohl als Abnehmer seiner Waren, wie als Lieferanten.Wir waren vor dem Kriege sein bester Kunde. DasHauptärgernis, unsere Flotte, die England in die ArmeFrankreichs und Rußlands trieb, ist beseitigt, unsereKolonien verloren, unser überseeischer Handel ver-nichtet. Wenn unmittelbar vor dem Kriege die Ver-ständigung mit England trotz Flotte, trotz Kolonienund trotz Handelsrivalität erreicht war, weshalb solltesie ohne Flotte, ohne Kolonien und ohne Handels-rivalität später nicht wieder zu erreichen sein, wennjenseits des Kanals die Erbitterung allmählich ver-raucht? Aber freilich, es wird noch lange dauern, eheman sich dort beruhigt.
Eine Wiederannäherung wird aber auch dadurcherleichtert, daß eine Bedrohung Frankreichs oder Bel-giens durch uns in Zukunft höchst unwahrscheinlichist, England in diesen empfindlichsten Punkten alsonichts mehr zu befürchten hat. England kann aberein übermächtiges Spanien, Frankreich oder Ruß-
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