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2 (1927)
Entstehung
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land ebensowenig dulden, wie eine deutsche Hege-monie auf dem Festlande. Auf diesem Grundsatz be-ruhte ja seine gesamte traditionelle Kontinentalpolitik,seine Kriege gegen Philipp II., Ludwig XIV. , XV., dieRepublik, Napoleon I. und Nikolaus I.

Der andere Machtfaktor, mit dem wir rechnenmüssen, ist, wie schon gesagt, Rußland , wenn essich zu Vereinigten Staaten zusammengeschlossen hat.Der Bismarcksche Grundsatz:Rücken an Rücken mitRußland war vollkommen zutreffend, nur hat er ihnleider bei und nach dem Berliner Kongresse mißachtet.Der Irrtum wuchs dann im Zeitalter der Epigonen imQuadrat der Entfernung vom Meister. Im Jahre 1890hatte er bekanntlich zu Rußland zurückschwenkenwollen. Den Dreibund nahm er nie sehr au serieuxrebus sic stantibus" , er entsprang mehr einer Laune,einer schlechten Laune des Riesen. Dieser wollteeigentlich nur Gortschakow bekämpfen, nicht aberRußland.

Die Abkehr vonRußlandwar der Kardi-nalfehler der Epigonen. In der Vorkriegszeit,der Ära diplomatischer Hohl-, Kraus- und Wasser-köpfe führte dieser Irrtum zur Weltkatastrophe, nichtdie Vernachlässigung Englands! Die Rückkehr zuRußland ist auch mit das Hauptproblemunserer künftigen A u s 1 a n d s p o 1 i t i k.

Anlehnung, nicht aber Bündnis! Jedes Bündnis,selbst ein defensives, setzt einen gemeinsamen Gegen-satz voraus, hat eine Spitze gegen eine dritte Macht,und dieser Gegensatz überträgt sich unwillkürlich auchauf Dinge, die dem ursprünglichen Zweck des Rechts-geschäfts fernlagen. Jedes Bündnis mit Rußland hättealso eine Spitze gegen England und umgekehrt!

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß die Anleh-nung an Rußland uns in einen Gegensatz

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