Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
207
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AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 27. 12. 1913

M r. Caillaux äußerte in einem vertraulichen Ge-spräche mit einem Angehörigen der Presse,man habe ihn ganz mit Unrecht als Gegner Englands und Gegner eines herzlichen Einvernehmens zwischenEngland und Frankreich hingestellt. Er habe aller-dings über die Art, wie die Entente aufzufassen sei,Anschauungen, die von denen seiner Vorgänger etwasab wichen; aber seine Auffasung werde auch vomPräsidenten der Republik geteilt. Die Entente habeeinertuteile" zu ähnlich gesehen. Frankreich müsseseine volle Bewegungsfreiheit haben und in der Lagesein, eine Politik in erster Linie nach seinen eigenenInteressen einzurichten. Sir Francis Bertie, der eng-lische Botschafter mische sich fortwährend in fran-zösische innerpolitische Fragen ein. Dies könne nichtgeduldet werden. Er werde, falls sich derartigeswiederholen sollte, unmittelbar bei Sir Edward Grey Beschwerde führen.

Auf Personalien übergehend, erwiderte er demJournalisten auf seine Frage, es sei allerdings beab-sichtigt, Herrn Cambon aus London abzurufen, dochmüsse man einem Manne von seinen Verdiensten undseiner Vergangenheit gewisse Rücksichten erweisen.Man könne ihm nicht ohne weiteres den Stuhl vordie Tür setzen. Als geeignete Nachfolger erschienenihm Jusserand oder Barrere. Letzterer spreche glän-zend Englisch und besitze Beziehungen in England .Die Meldungen über die Ernennung vonMargerie nachPetersburg seien mit Vorsicht aufzufassen. Ihm selbstscheine General Lyautey eine gute Wahl für Rußland .

Die Äußerungen des französischen Finanzministers,für deren Echtheit eine große innere Wahrscheinlich-keit spricht, zeigt, daß seine Abneigung gegen den