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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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I HERKUNFT UND JUGEND

Schade, daß sein erster Brief an Guarino nicht erhalten ist. Wir erfahrennur von einem Gedicht Francescos, das der ältere als Unterpfand derFreundschaft bewahren will: «Froh empfange ich dein Gedicht, in demdu die Glut deiner Zuneigung zu mir zeigst, wie ich ja leicht von direrlange, um was ich dich bitte; so soll deiner Brüderlichkeit würdigerDank werden, der du durchaus nicht meine Bitten verachtest. Im übrigenfolge ich deinem Mahnen und brüderlichen Rate: ich komme, den heimat-lichen Herd und dich zu sehen. <Mir scheint, ich sehe schon >, wieuns vergönnt sein wird, eng umschlungen wechselweise < zu hören undzurückzuschenken die Worte > 33 . Häufiges Schluchzen wird die Worteunterbrechen und Zähren, tropfend mitten aus dem Borne der Liebe.Verstummen werden wir nicht, aber auch das Sprechen wird nicht mög-lich sein, so mächtig süße Lust steht uns bevor, wenn wir einander an-schauen. Du aber bangst ob der Größe des Jubels vor Schlimmerem. Einesgibt es, weswegen du die Freude dämpfen solltest: froh und heil kommeich zurück, aber arm 34 . Nichts habe ich zu fürchten, weder Diebstahl nochFeuersbrunst. Ich werde also deine und der Deinigen Empfehlung brau-chen, mit der ich meinen erschöpften Beutel wieder ausstopfen kann, aufdaß ich und die Meinen eine Beihilfe zum Leben haben. Endlich bittest dumich inständig, daß ich dir meine (< hihi, haha> 35 , wie komisch!) Briefe baldin Versen, bald in Prosa verfaßt zudenke 36 , woran du dich höchlich er-götzen willst. Lachst du? Oh weh! jetzt lachst du über mich, oder dachstdu etwa >, mein artiges Kerlchen 37 , nicht über mich, ja ulkst du sogar ? 38Na gut, einverstanden, beim Herkules, denn vertrauteste Freundschaftzeigt es an, wenn Liebe die Kühnheit zu Scherzen gibt 39 .» Ein besondersgünstiges Schicksal war dem jungen Francesco Barbaro beschieden, daß erin Freundschaft geborgen aufwachsen durfte und keinen Rückschlag er-lebte, der ihn in sich zurückgescheucht hätte, wie es bei ähnlicher Artungdem jungen Erasmus von Rotterdam erging, der die Zartheit seiner Seelein sich verschließen mußte, weil der Ordensbruder, den er verehrte, sichihm nicht öffnete 40 . Solche Abweisung in der Jugend trägt oft Schulddaran, daß der Mensch tückisch und brüchig wird, wie es Shakespeares Richard III. bekennt. Die Hinterhältigkeit des Erasmus hat vielleicht darinihren tiefsten Grund.