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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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ANTEILNAHME AN BIONDOS ROMA IN STAU RATA 13 3

wachsames Auge einer auf den andern hatten. Vor dem Verdacht derVerschwörung mit dem Feinde waren selbst die berühmtesten und ver-dientesten Männer, wie noch kürzlich der Retter Venedigs, der AdmiralCarlo Zeno, nicht sicher. Als dann aber Anfang 1447 Eugen IV. stirbtund Biondo vor der Vollendung des mittelalterlichen Teils seines Ge-schichtswerkes andere mehr archäologische Arbeiten vornimmt, hörenwir gleich wieder die Stimme Barbaros, der mit Worten, die wie erstenach langem Schweigen klingen, seine verständnisvolle Anteilnahmeam Schaffen des Freundes bezeugt. Vor sechs Jahren war er von Sorgeum den Staat erfüllt: er wünsche mehr, als er es hoffen könne, schrieber 1441 daß der siegreiche Friede, den die Vaterstadt seiner Stand-haftigkeit in Brescia und der Feldherrngabe Sforzas zu verdanken habe,ihr bleiben möge 74 . Nun war es sehr anders gekommen man stand imvierten mailändischen Krieg, dessen Ende Barbaro nicht erlebte. Währendeiner kurzen Atempause zwischen zwei Ämtern in den oberitalienischenStädten, die er in Venedig zubrachte, spürte er plötzlich wieder seinehumanistische Ader und schreibt: «Bin ich auch ein Barbar (Barbarus), sohabe ich doch von römischen Künsten gelernt, für Bildung und Lehre(humanitas et doctrina) Sorge zu tragen. Und sintemalen ich nicht mitdir sein kann, nicht mit dir reden kann, sehne ich mich, daß du bei mirseiest und dich mit mir unterhalten mögest. Es wird nun Aufgabe deinerHumanitas sein, auch uns an der erneuerten Stadt (instauratae UrbisROMA INSTAURATA, das neue Werk Biondos) teilnehmen zu lassen, aufdaß nicht nur die Latiner deinen Namen ehren, sondern auch die Griechenund die Barbaren deine Forschung und deinen Geist bewundern 75 .» Mitden Griechen meint er wohl besonders Guarino unter den des Griechi-schen mächtigen Humanisten, und mit den Barbaren sich selbst.Ende des Jahres tritt zwischen den beiden Freunden eine vorüber-gehende Trübung ein es scheint die einzige gewesen zu sein und siehat fast den gleichen Anlaß, wie das schon besprochene Mißverständnismit Poggio. So unähnlich auch Biondo in allem übrigen seinem römi-schen Kollegen Poggio ist, in dem Punkte der raschen Empfindlich-keit, wenn nicht alles nach ihrem Willen geht, sind sie beide echteHumanisten. Wieder einmal war in Venedig eine Seuche ausgebrochen,und Barbaro mußte mit seiner Familie vor der Ansteckungsgefahr