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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN
Auch die Freunde mußten ihm dabei in mehrfacher Weise helfen. Wirbesitzen einen Brief Barbaros an einen Abt, in dem er diesen bittet, fürBiondos Italia historisches und topographisches Material aus der Gegendseines Klosters zu besorgen 80 .
Als das Werk seiner Vollendung entgegenging, trafen zwei neapolitani-sche Gesandte von dem um die Humanisten so hochverdienten KönigAlphons von Aragon in Venedig ein. Es waren Puggio und der bekannteHumanist Panormita (BeccadeUi), von denen Barbaro durch BiondosVermittlung eine ihn interessierende griechische Handschrift über dasKriegswesen erhielt. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm von den Gesandtender Vorschlag gemacht, ob er nicht die Sammlung seiner Briefe, die ergerade besorge, dem König Alfonso darbringen wolle. Zu gleicher Zeitwünschte der König Biondos Italia illustrata sich gewidmet zu sehen;dieser ehrenvollen Aufforderung kam Biondo gerne nach. Da er aber umeine schön stilisierte lateinische Widmung verlegen war, bat er Barbaro,sie für ihn zu verfassen, weil er eine schwungvollere Feder führe.Barbaro schreibt zwar das Prooemium im Namen Biondos, aber dererste Teil dieser Vorrede erhält erst Wucht und Gewicht, weil er es ist,der dahinter steht; dann scheint er sich besonnen zu haben, daß er dochauch im Geiste seines Freundes Biondo schreiben müsse. Den Über-gang dazu bildet eine Huldigung vor König Alphons, der mit einigender berühmtesten römischen Cäsaren den Ruhm teile, der Gönner derHistoriker zu sein. «Ausnehmend erfreust du dich und mit Recht, er-lauchter König Alfonso , nach Brauch und Lehre der Vorfahren an derGeschichte, so daß ich sehe, du erntest durch ihre Kenntnis keine ge-ringen Früchte des Glücks. Doch es genügt dir nicht, aus Livius oderanderen griechischen oder römischen Schriftstellern von den vornehm-lich in Italien vollbrachten Taten zu wissen, wobei sich doch die Leutevon gelehrter Bildung in unserem Jahrhundert beruhigen, wenn du nichtauch die Orte, wo solches geschah, auch die Völker, die großen undkleinen Städte sozusagen mit der Hand greifen könntest. Aber das Losund die Vergänglichkeit der Dinge bewirkten es, daß in diesen fastzweitausend und fünfhundert Jahren, in denen wir lateinische Geschichtekennen, die einzelnen Ortsnamen selten noch mit den heutigen überein-stimmen, weil einerseits die großen Städte zerstört, die kleinen ganz