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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
137
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B ARB ARO S VORREDE ZU BIONDOS ITALIA ILLUSTRATA 137

verschwunden sind, andererseits sich ihre Namen wie die der Berge,Flüsse und Seen, auch die der Völker und Landschaften wandelten, und2war sich so vollkommen wandelten, daß wir nur den geringsten Teilder von den Schriftstellern überlieferten altertümlichen Namen in denBezeichnungen unseres Zeitalters wiedererkennen können 81 .» In diesenWorten, die vom wiedererwachenden Interesse am Raum der Antikesprechen, erleben wir die Geburtsstunde der humanistischen Archäo-logie. Wenn wir der Widmung Glauben schenken wollen, war es KönigAlphons selber, der die Lücke in der Wissenschaft seiner Zeit schmerz-lich empfand und zweimal Biondo auffordern Heß, das gewünschteWerk zu schreiben 82 .

Die Italia illustrata hat auch für das äußere Leben Biondos eine Wen-dung zum Guten gebracht, wie wir aus dem Briefwechsel mit dem anseinem Wohl und Wehe teilnehmenden Barbaro erfahren. Es ist dasletzte Briefpaar vor dem Tode Barbaros aus dem Spätjahr 145 3 83 . Seit1449 etwa hatte ein böser Widersacher Biondo das Leben an der Kuriesauer gemacht und ihm die Gunst des Papstes vollends entfremdet.Den Namen dieses Feindes haben die Freunde in ihren Briefen wohl-weislich verschwiegen 84 , weil alle Humanistenbriefe Gemeingut derÖffentlichkeit waren. Im Oktober 1453 trat aber ein Umschwung ein,den Biondo dem Freunde, der inzwischen Prokurator von San Marcogeworden war, lebendig schildert. Er hatte, wie gesagt, Rom verlassenund Aufenthalt in Ravenna genommen. Von dort wurde er durch ein-flußreiche Freunde an die Kurie zurückgerufen, aber der Feind läßtnicht von seinem Haß ab und ist nicht zu besänftigen, so daß Biondo,zwischen Hoffnung und Angst schwebend, schon daran denkt, unver-richteter Dinge und mit seiner ganzen Familie wieder nach Ravennazurückzukehren, er hatte zehn Kinder da macht ihm der Papst selberdurch seine unerwartete Leutseligkeit beim Empfang am Hieronymus-tage neue Hoffnung 85 . Biondo war ein sehr frommer Mann, und da ergerade auf seinen Namenstag fällt, ist er überzeugt, daß die Sinnes-änderung des Papstes auf die Fürbitte des hl. Hieronymus zurückzu-führen sei. Hieronymus wäre während seiner Erdenlaufbahn selbst eingroßer Gelehrter gewesen, und so werde er auch wohl den auf seinenTag getauften Gelehrten im Himmel und auf Erden besonderen Schutz