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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
138
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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

angedeihen lassen. Mit einer Sanftmut habe Nikolaus V. ihn angesprochen,als ob ihm niemals die verleumderischen Stimmen der WidersacherBiondos 2u Ohren gekommen wären. Dieser überreichte ihm die ebenfertiggestellte Italia illustrata, und sie mußte ein Buch nach dem Ge-schmacke des Papstes sein. Biondo hat von andrer Seite gehört, daßer das Werk sehr gelobt habe. Um sein Glück voll zu machen, ver-schwindet auch noch in denselben Tagen sein alter Widersacher. «Aber,fügt Biondo an Barbaro hinzu, das sage ich nicht, weil ich mich freue,daß er die ewige Qual der Höllenstrafen antritt, da ich ja niemals seinenUntergang in der Zeitlichkeit gewünscht habe, sondern damit du ver-nimmst, es sei das, was du genau weißt, durch Beispiel erhärtet: dieMenschen können nicht anders sterben, als sie gelebt haben.» Um dietechnische Seite, die Vervielfältigung von Biondos neuem Werk, hat sichsein Freund Barbaro augenscheinlich besonders bemüht, denn Biondoberichtet ihm, wie er seine Anweisungen befolge: ein Buchhändler seischon bestimmt, und morgen würden auch die Bogen gerichtet werden.In diesem Briefe bittet Biondo den Freund, die drei Bücher seiner De-kaden, die schon in ganz Europa verbreitet seien, in Venedig nochweiter vervielfältigen zu lassen. «Obgleich du wohl weißt, daß die drittedir besonders zu hoher Ehre gereicht, so wird es dir auch heb sein, dieEreignisse früherer Zeit zu lesen, in die du die Taten der Venezianerverstreut finden wirst, und das wird vielleicht nützlicher sein, als wennsie in einem Stück abgesondert ständen.» Der Grund für diese An-ordnung, den der Gelehrte seinem Landsmann und Freunde verrät,macht uns lächeln, wie schlau die Heimatliebe zu Werke geht. Biondohat mit Stolz vermerkt, daß sein Geschichtswerk in ganz Europa gelesen werde ein Vorzug, den damals, wie gesagt, nur die vonallen Gebildeten gekannte lateinische Sprache verleihen konnte 86nun will er die Ausländer überlisten: «Weil in solcher Fülle der Be-gebenheiten der Engländer, Spanier, Franzose, Deutsche und selbstItaliens Feinde, wenn sie etwas, das zu ihrer eignen und der FreundeEhre ausschlägt, aufsuchen werden, auch eure Taten sogar wider Willenzu lesen, zu bewundern gezwungen werden und das behalten müssen, wassie (aus Neid auf die venezianischen Ruhmestaten) zerreißen würden,wenn es für sich stünde.» Darauf antwortet Barbaro am 5. November