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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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BIONDO UNTER NIKOLAUS V.

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1453 mit einem der letzten Briefe aus seiner Feder: «Wie deine Angelegen-heiten standen, als du den Widersacher hattest, habe ich aus deinen Briefenerfahren, wie sie aber stehen werden ohne Widersacher, das bin ich nunbegierig zu hören. Ich freue mich, daß dem römischen Pontifex deineItalia Wohlgefallen hat, die dank deiner Fülle und Fähigkeit so reichprangt, daß man sie wie die Athena des Phidias auf der Burg aufstellenkönnte. Ich werde mich aber noch mehr freuen, wenn Papst Nikolaus,den Gott über die Völkerscharen und Königreiche setzte . . . alles anderehintansetzt und hartnäckig darauf besteht. . ., daß man mit stärksterMacht gegen die Türken. . . zum Kriege schreitet 87 .» Das war die großeSorge der letzten Lebenstage Barbaros, als die langbefürchtete Kata-strophe des Falls von Konstantinopel zur Wirklichkeit geworden war.So vereinigen sich noch einmal in diesem letzten Brief an den gelehrtenFreund die beiden Hauptströme seines rasdosen Lebens: der wissenschaft-lichen und der staatlichen Taten. Bald darauf hatte Biondo das Hin-scheiden des edlen Venezianers zu beweinen und in seinem spätestenWerk, der ROMA TRIUMPH ANS, blickt er mit ehrfürchtigen Wortenauf ihre lange in Freundschaft gemeinsame Bahn zurück: «er, mit demich mich 30 Jahre hindurch einer wohlgegründeten wahrhaften Ver-einung der Geister erfreut habe 88 ». Die Stadt Venedig wußte die Freund-schaft des großen Staatsmannes und des großen Historikers überden Tod hinaus würdig zu ehren, indem sie die Gemälde ihrer beidenBürger nebeneinander an der Wand des großen Ratssaales im Dogen-palast aufhing. Das Bild Biondos war von der Hand des GiovanniBellini gemalt. Leider gingen diese Bilder bei dem großen Brande von1577 zugrunde 89 .

Unter den bedeutenderen Humanisten bleiben nun noch zwei, derenbrieflicher Verkehr mit Barbaro wichtig genug ist, um eine gesonderteBetrachtung zu rechtfertigen. Es sind Francesco Filelfo und GeorgiosTrapezuntios . Man hat sie beide heftig als Blender gescholten, dochmacht gegen solch absprechendes Urteil die ungewöhnliche Anerken-nung bedenklich, die die Zeitgenossen namentlich dem ersteren zollten.Man wird ihnen aber wohl kaum zu nahe treten, wenn man sagt, daßsie beide mehr oder weniger erfolgreich den Stand des Humanisten