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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

mit dem des Glücksritters zu verbinden trachteten. Uns geht hier nuran, wie Barbaro zu Menschen dieser Art stand. Züge innerer Unsicher-heit, die wir bei Biondo nur ganz leise, bei Poggio stärker angedeutetfanden, gehen bei Filelfo ins Groteske. Wir sahen, wie Barbaro dieGeduld seiner Freunde öfter durch Saumseligkeit im Beantworten vonBriefen auf die Probe stellte. In der Jugend war er vielleicht etwasnachlässig und im Alter zu beschäftigt, um jede Briefschuld seiner weit-läuftigen Korrespondenz pünktlich zu erledigen. Er bekam deshalbimmer wieder Ungelegenheiten und mußte sich häufig rechtfertigen;das tat er dann immer mit Anstand und Haltung. Jedoch ist es nichtnur bezeichnend, wie er sich in solchen Widerwärtigkeiten betrug,sondern auch aufschlußreich, hier das Verhalten derer, die ihm nahe-stehen, zu vergleichen. Der untadelige und liebende Guarino schreibt nurbetrübt: «Francesco ist der Sache, nicht den Worten nach mein Freund.»Biondo in seinem Verdruß über die aus Venedig zurückgefordertenund nicht eintreffenden päpstlichen Bullen hat zwar zuviel Respekt vorBarbaro selbst, läßt aber statt dessen seinen Ärger an Zacharias, demSohne, aus. Poggio gar wird wegen der nicht rechtzeitig zurückge-lieferten Handschriften, über die sich Barbaro ausschweigt, gegen ihnpersönlich ausfällig, Filelfo aber poltert, weil er keine Antwort erhaltenhat, gleich in zwei Sprachen los, auf lateinisch und griechisch 90 . Wirmüssen ihm aber dafür dankbar sein, daß er sich so ungefüge betrug,denn er lockte dadurch eines der schönsten menschlichen Bekenntnisseaus Barbaro heraus, das wir von ihm besitzen: «Du weißt doch, daß,obwohl ich ein Barbar bin, mir seit früher Jugend nichts mehr am HerzenHegt, als liebend denen zu erwidern, die Liebe aus mir hervorlocken,und daß ich in der Pflege der lebenden wie der toten Freunde kaumetwas in menschlicher Sorgfalt außer acht gelassen habe, was der be-harrlichen Treue eines guten Menschen geziemt. Deshalb hättest duzuvor erwägen sollen, was du von mir verlangst, und dann, wenn dunicht das, was rechtens war, bekommst, dann erst hättest du Grund zurKlage gehabt; jetzt aber lag es eher an der Treulosigkeit der Brief-besteller als an der Treue des Freundes 91 .»

Filelfo , sieben Jahre jünger als Barbaro, durchlief einen ähnlichen Bil-dungsgang wie Guarino. Mit 18 Jahren schon bestieg er das Katheder, mit