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hinreißender Gewalt. In der auch von allen seinen Gesinnungsgenossengeteilten Vorliebe für lateinische Wortspiele redet er die Florentiner alshomines florentissimos an, nach denen ihn die Sehnsucht ergriffen habe,weil sie der Born aller guten Künste seien. Er habe vieler Herren Länderdurchfahren, aber alle seien an Florenz gemessen große Dörfer undhätten nur vereinzelte Merkwürdigkeiten aufzuweisen.Seine Begeisterung für Florenz sollte nicht lange währen und schlugschließlich in den wildesten Haß um gegen die Medici, die erstenBürger der Stadt. Das Zerwürfnis war wieder mit Niccoli entstanden,der sich mit den meisten Humanisten, ausgenommen Poggio und Barbaro,zankte. Barbaro wurde davon durch Traversari ausführlichst unterrich-tet. Ein trosdoses Bild entwirft der seinerseits so verträgliche Mönch".Anfangs hätte größte Freundschaft zwischen den jetzt Streitenden ge-herrscht. Eine Beilegung des Zwistes, der sie nicht nur entzweit, son-dern auseinandergerissen habe, sei nie mehr zu hoffen. Schuld trügenbeide: Niccoli durch seine herausfordernde Kritik an den Werken desFilelfo und dieser durch seine maßlose Habgier. Schon bei seiner An-stellung gab es ein langes Feilschen. Traversari mußte zwischen denerschöpften Mitteln der Florentiner Staatskasse und den übermäßigenForderungen des berühmten neuen Lehrers einen Ausgleich schaffen 100 ,jetzt aber schreibt er an Barbaro, es vertrüge sich eben die Pflege mensch-licher Beziehungen nicht auf die Dauer mit maßloser Geldgier. Wennder Zank doch wenigstens auf seinen Herd beschränkt geblieben wäre,aber nein: der in seiner Schriftstellereitelkeit verletzte Filelfo habe eineSchmährede gegen Niccoü entworfen und sie Traversari vorgelegt. Dieserbot alles auf, ihn davon abzubringen, und war mit jedem Mittel derÜberredungskunst und der Warnung in ihn gedrungen, daß ihm dieseUnflätigkeit doch selber Unehre einbringen müsse 101 . Alle Vorwürfe, dieer gegen den untadeligen Niccoli erhebe, könnten widerlegt werden 102 .Er solle ihm, Traversari, nicht den Schmerz antun, den nächsten Freundso schändüch beschimpft sehen zu müssen. Jedoch hatte Traversari wiebei dem früheren Zwist Bruni-Niccoli auch diesmal im Beschwichtigender aufgehetzten Gemüter kein Glück, und seine Mühe erreichte geradedas Gegenteil von dem, was er wollte. Statt Vernunft anzunehmen, besaßFilelfo die Unverschämtheit, seinen ersten Brief an den Kamaldolenser