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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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FILELFOS CHARAKTER

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sich nicht überall bei seinen alten Freunden unmöglich machte und wirihn nach wie vor in freundschaftlichem Briefwechsel mit Barbaro finden,der doch den Medici so nahestand. Erst als er sich zu dem Erzfeind derVenezianer, dem Herzog Filippo Maria, begibt, wird Barbaro in seinenBriefen zurückhaltender und, wie es seine amtliche Stellung erforderte,vorsichtiger, zumal Filelfo kein Hehl daraus machte, daß er auchgesinnungsmäßig zur Gegenpartei übergetreten sei. Um sich Barbarowieder zu nähern, behauptet er nach dem Ableben des Herzogs, er wollenach Venedig übersiedeln, und Barbaro erklärt ihm ganz offen: voreinem Filelfo, der in Mailand säße, müsse er sich hüten, wenn er aberjetzt zurückkehren wolle, sei er bereit durch seinen Einfluß die Gefahrabzuwenden, daß die venezianischen Gläubiger Filelfo in Schuldhaftsetzten, da er ja noch mit mancher alten Forderung belastet sei. ObwohlFilelfo wie kaum ein anderer Lehrer mit fürstlichem Honorar bedachtwurde, vergeudete er das Geld im Handumdrehen und machte überallSchulden 106 . Aus der Übersiedlung wurde nichts. Ein eigentümlichesLicht auf seinen zweideutigen Charakter wirft auch eine dauernde Streit-sache mit Leonardo Giustiniani und Barbaro, die sich durch ihr ganzesLeben und darüber hinaus hinzieht. Schon vor seiner Abreise nach Kon-stantinopel hatte Filelfo augenscheinlich bei beiden Edelleuten größereGeldbeträge geborgt und dafür als Pfand einige seiner Bücher hinter-legt. Dies war wenigstens deren Auffassung, während Filelfo immer nurvon «Gewahrsam 107 » spricht und sein ganzes Leben grollt, weil er seineBücher nicht zurückerhält. Auch als Giustiniani und Barbaro schonlängst tot waren, behelligt er die Erben wegen der Pfandgabe, und esberührt werkwürdig, wie zäh er in hohem Alter noch an dem haftet,was vor 50 Jahren einmal sein Besitz gewesen war. Mit den Giustini-ani scheint die Angelegenheit bösartigere Formen angenommen, zumBruch der Freundschaft und zu gerichtlichem Nachspiel geführt zuhaben. Als er sah, daß er hier mit Schroffheit nicht weiterkam, ver-legte er sich aufs Schmeicheln und richtete nach dem Tode LeonardoGiustinianis trotz der unliebsamen Vorfälle, die zwischen ihnen gespielthatten, ein langes Klagegedicht über dessen Hinscheiden an den SohnBernardo 108 . Und auch nach dem Tode Barbaros kommt am Ende vonFilelfos Trauerbrief an den gemeinsamen Freund Pietro Tommasi die10