Er stammt vom 24. August 1473 111 unc ' ' st ^ ^ cn Sohn Zacharias Barbaro gerichtet,mit dem er sonst nicht verkehrte. Filelfo erinnert ihn, der inzwischen ein hoher vene-zianischer Staatsbeamter geworden war, an die nahe Freundschaft, die ihn vor vielenJahren mit dem lange verstorbenen Vater verbunden habe. Nach einer schmeichel-haften Einleitung kommt er endlich mit seinem Wunsch heraus. «Du hast nach Erb-recht alle Güter des Vaters empfangen, die er bei seinem Tode hinterließ. Wenn du dieväterlichen Freunde als Erbe vernachlässigst, dann beraubst du dich des schönstenTeiles der Erbschaft. Was gibt es im bürgerlichen Leben Ehrenhafteres als die Freund-schaft, was Heitereres ? Recht hat jenes Sprichwort: Den Freunden ist alles gemeinsam.Ein deutliches Beweisstück dafür, daß ich meinerseits jenem ernsten und untadeligenManne, deinem Vater Francesco, diesen Satz stets hoch und heilig gewahrt habe,bieten mir diese ihm von mir anvertrauten griechischen Handschriften, sofern er sienach Freundschaftsrecht billigerweise und dauernd benutzt hat.» Vor zwanzig Jahrenwar Filelfo freilich noch anderer Ansicht. Inzwischen hat er niemals geruht. AlsErmolao Barbaro als Bischof von Verona und päpstlicher Legat vom französischen Hofe durch Mailand zurückkehrte, hatte auch er Filelfo versprechen müssen, sich beiseinem Vetter Zacharias wegen der Handschriften zu verwenden. Der ganze Tondes alten, habgierigen Filelfo ist scheinheilig, namentlich wenn er schließt: «Ich binnun 75 Jahre alt und mit göttlicher Gnade werde ich morgen ins 76. eintreten. Daherbeginne ich, meine Habe zu sammeln, da ich keine andern Schätze habe, die ich meinenKindern zurücklassen könnte.»
Noch näher durch sein Lebensschicksal an Barbaro gebunden ist einHumanist, den wir zuletzt betrachten :GeorgiosTrapezuntios 112 . Erist einer der Griechen, die nach dem Beispiel Manuel Chrysoloras' denItalienern die alten Schriftsteller ihrer Heimat näherbrachten. An seinemLebenslauf können wir das planmäßige Vorgehen Barbaros verfolgen,wie dieser trotz der vielseitigen Beanspruchung seines späteren Lebensstets mit Bedacht die griechischen Studien in Italien förderte. Georgvon Trapezunt stammt nur seiner Familie nach aus Trapezunt, er wurdeunter venezianischer Oberhoheit in Candia geboren. Bald wird er einSchützling Barbaros, der ihn aus Kreta nach Italien holt und zuerstkürzer bei Guarino, dann länger bei Vittorino da Feltre im Lateinischenunterrichten läßt. Als dann 1420 Filelfo seine Lehrstelle in Vicenza aufgabund nach Konstantinopel reiste, um dort Griechisch zu lernen, beauf-tragte Barbaro seinen vertrauten Hausarzt Pietro Tommasi, der damalsin Vicenza seine Praxis ausübte, den Stadtbehörden nahezulegen, Trape-zuntios an Stelle Filelfos mit dem Unterricht der Jugend zu betrauen.Barbaros Wunsch wurde von den Vicentinern, um die er sich später als10*