Druckschrift 
Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 
  

148

V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

Podestä große Verdienste erwarb, sofort bewilligt, allein nach einigerZeit zankte sich Trapezuntios mit seinem alten Lehrer Guarino undkonnte sich deshalb dort länger nicht halten. Es ist ein echter Philo-logenstreit. Georgios, der Grieche, setzte seinen Stolz darein, besserLateinisch zu können als Guarino, der Italiener . Nun sehen wir in derTat, daß in jener Zeit jede jüngere Generation ein besseres Latein erlerntund schreibt als die vorangehende: ein Anlaß, sich maßlos zu über-heben über die ungebildeten Vorgänger. Trapezuntios verbesserte denStil seines Meisters Guarino in dessen Rede zu Ehren des Grafen Carma-gnola mit der abfälligen Bemerkung, daß Guarino nicht Lateinisch könne;wo dieser drei Sätze nebeneinander geordnet hatte, baute Trapezuntiosdurch Unterordnung von Satzteilen unter ein einziges Verbum eine langekunstvolle ciceronianische Periode 113 .

In späterer Zeit, 1436, als man in Ferrarazum Gegenkonzil gegen Baselrüstete, hören wir wieder, wie sich Barbaro für Trapezuntios um eineStelle bemühte, diesmal beim Bischof von Trau (Dalmatien ), Scarampo,der im nächsten Jahr schon Kardinal wurde und der VertrauensmannBarbaros an der Kurie blieb. Diesem berichtet er, daß Trapezuntiosvon Hause aus zwar griechisch-katholisch gewesen, dann aber zur römi-schen Kirche übergetreten sei und nun Uterarisch gegen die Irrtümerund abweichenden Lehren der orthodoxen Kirche fechte. Das müsse ihndem Papst Eugen IV. empfehlen, der die Union beider Kirchen betreibe.Barbaro bittet dann Scarampo, dem Papst einen der Briefe des Trapezun-tios vorzulegen. Man konnte bisher aus den wenigen Briefen Barbaros andiesen Papst nicht wissen, ob bei ihm Barbaro wirklich solchen Einflußhatte, daß er auf Gehör seiner Wünsche rechnen konnte. Ein neu ge-fundener Briefwechsel 114 aus der Kardinalszeit Eugens beweist, daß erunter dem Pontifikat Martins V. der politische Vertrauensmann Barbarosan der Kurie war, wie später, als Condulmieri selbst Papst geworden war,der Kardinal Scarampo so zu Barbaro stand. Im ganzen aber hatten, wie er-wähnt, die Humanisten unter Eugen IV. keine gute Zeit: sie mußten feiern,wie Poggio klagt. Erst durch die Vorliebe seines gelehrten NachfolgersTommaso Parentucelli (Nikolaus V.), der die vatikanische Bibliothekbereicherte und ergänzte, bekamen sie vollauf zu tun, namentlichwenn sie griechische Texte ins Lateinische zu übertragen verstanden.