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VI RELIGIÖSE VERTIEFUNG
Das Verhältnis, in demBarbaro zu Alberto da Sarteano stand, war andererArt. Wie viele großen christlichen Ordensstifter, vor ihm Franz vonAssisi und nach ihm Ignaz von Loyola, ergriff auch Alberto da Sarteano zu Beginn seiner Laufbahn die Sehnsucht nach dem Heiligen Land undder Wunsch, dort die Ungläubigen zum christlichen Bekenntnis zurück-zugewinnen. Alle drei führten ihren Vorsatz aus, scheiterten und kehrtennach Europa zurück, weil sie drüben einsehen mußten, daß ihrer in derHeimat fruchtbarere und größere Aufgaben harrten. Ein kluger, welt-kundiger Mann wie Barbaro, der obendrein noch Venezianer war, kannteaus Berichten seiner vielgereisten Landsleute die Verhältnisse im Orientzu gut, als daß er die religiöse Schwärmerei für Heidenmission in Palä-stina teilte. Schon vor den letzten Kreuzzügen waren die Venezianer nichtmehr überzeugt von den christlichen Waffen- und Missionserfolgen inSyrien , die nur ihre friedlichen Handelsbeziehungen zu den Muselmanenstörten. Als nun Barbaro im Jahre 143 5 hört, daß Alberto sich zur Pilger-fahrt ins Heilige Land rüste, schreibt er an Lionello d'Este: den Vorsatzdes Alberto finde er lobenswert, nicht aber den Entschluß, ihn auszu-führen, denn wenn er nicht etwa vom Heiligen Geist inspiriert wäre, wieman von den Aposteln läse, daß sie während des Pfingstwunders intausend Stimmen geredet hätten, dann müsse es ihm wegen seiner Un-kenntnis der fremden Sprache in so vielen Dingen mangeln, daß er beiStummen und Tauben eher für sprachlos als für beredt gelten werde,es sei denn, er wolle den Themistokles nachahmen, der vor dem Perser-könig von griechischen Dingen so lange schwieg, bis er die persischeSprache ganz beherrschte und sich ohne Dolmetsch verständigen konnte.Deutlich sehe er vor Augen, wie dieser geistesgewaltige Mann beimAnbück des Grabes des Herrn sich nicht beherrschen würde, und bevorer mit Worten Christus predigen könne, es mit Taten versuche. So be-fürchte er, daß Alberto in Syrien , ehe er predigen könne, zum Märtyrerwerde; wenn es ihm so erginge, werde er glauben, es sei ihm gut er-gangen. Barbaro aber ist der Überzeugung, daß ein solcher Mann nichtfür sich, sondern für die Christenheit geboren sei. Wenn er zu HauseGott diene und ihm mehr denn den Menschen gehorche, so werde ihmauch hier nicht die Märtyrerkrone fehlen. Lionello mit seinem Einfluß alsjunger Fürst solle verhindern, daß Alberto mit der venezianischen Flotte