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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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161
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ALBERTO DA S ARTE AN O IM HEILIGEN LAND l6l

über See fahre, denn schon von der verseuchten Mannschaft drohe ihmAnsteckungsgefahr 14 . Alberto ließ sich aber nicht abschrecken; er mußteerst selber in Syrien die Zwecklosigkeit eines Unternehmens, vor demihn Barbaro gewarnt hatte, erkennen. Im Heiligen Lande, wo er im Auf-trage des Papstes die griechisch-römische Kirchenunion vorbereitete,entfernte sich Alberto von seiner humanistischen Ausgangsstellungnoch mehr, so daß man sich wundert, daß die in ihrem Teuersten betroffe-nen Humanisten sich nicht ebenso wehrten wie früher gegen den Angriffdes Lorenzo dei Monaci auf die Beschäftigung mit dem Griechischen.Freilich blieb der Angriff Albertos der Form nach eine Angelegenheitder Geistlichen unter sich.

An dem Streit um den Vorrang Scipios oder Caesars, der zwischenPoggio und Guarino damals ausgefochten wurde, nahm auch Albertoaus der Ferne teil. Aus Jerusalem wendet er sich an den Bischof vonModena , Scipione Mainenti, dem Poggio seine Streitschrift gewidmethatte: er denke an ihn im Gebet auf dem Kalvarienberg, «aber an denchristlichen Scipio, nicht an jenen Africanus, dessen Taten dich so er-freuen». Die Namensübereinstimmung sei wohl an der absonderlichenVerehrung des Bischofs für den alten Heiden schuld. Ob das sichaber für einen Christen zieme? Auf den mögüchen Einwand, daß desScipio Charakter, Seelengröße und gewaltige Taten verehrungswürdigseien, antwortet Alberto: «So wären wirklich die Taten eines Heiden,der Tiere und Ungeheuer statt Gott anbetete, so verehrungswürdig,daß Christen wegen Taten von dergleichen zum Tartarus verbanntenUngläubigen, wegen ihrer gewaltigen und berühmten, ja windigen undvon teuflischer Prahlerei aufgeblasenen, geschwollenen, hocherhabenenTaten... in Italien sich schmählich streiten?... 15 >> Wir haben dieseklerikale Gegenstellung gegen den Humanismus schon in mehrerenFällen und in verschiedenen Lösungen angetroffen, bei Traversari ge-mäßigt, bei dem Kardinal Dominici in ebensolcher Schärfe wie hier beiAlberto von Sarteano. In den von uns dargestellten humanistischenKreisen vermied man es, die zweifellos vorhandenen Gegensätze zurKirche auf die Spitze zu treiben. Wenn Alberto predigte, brach Guarinoseinen Unterricht mit den Worten ab: «Ihr habt die Theorie gehört,gehen wir nun zur Praxis», und er duldete nicht, daß einer der Predigt