Druckschrift 
Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
220
Einzelbild herunterladen
 

220

VII DIE BELAGERUNG VON BRESCIA

des Winters dienen. Schier unerschöpflich war Barbaro im Ausdenkenneuer Listen, um die Bürger seinen Befehlen gefügig zu machen. EineZeidang fanden sie jeden Morgen außen an der Mauer Zettel, dieBarbaro selber in der Nacht dorthin hatte bringen lassen; dadurchwurde der Anschein erweckt, als hätten die Bürger draußen, wohl garim feindlichen Lager Freunde, die ihnen verrieten, was sie des Tagesgerade tun müßten. Aber Barbaro beglückte nicht seine Bürger allein,sondern auch die Feinde mit täuschenden Briefen, die, voll falscher Nach-richten, von diesen abgefangen wurden; dann wußte er auch Geleit-briefe zu fälschen, damit seine Boten vom Feinde unbehelligt nachVerona, Ferrara und von dort nach Venedig gelangen könnten 52 .Vom Geld, das zur Kriegführung nötig war, haben wir bisher nie ge-sprochen, aber unter vielen vordringlicheren Sorgen Barbaros war dieSorge um die Auslöhnung der Soldtruppen in der abgeschnittenen Stadtnicht die geringste, denn es konnten seit langem keine Geldsendungenmehr von Venedig durchkommen. Das Letzte, was ihm die Signoriedarüber mitgeteilt hatte 53 , war, daß sie ausreichende Gelder für Brescia und Bergamo an die Rektoren von Verona geschickt hätte, von dortsollte sie Barbaro abholen lassen; aber das war unmöglich, seit der Feinddie Straßen beherrschte und sperrte. Die Kassen waren leer, die Sol-daten mußten aber ihre Löhnung bekommen, sonst wurden sie auf-sässig. Da fand Barbaro einen Ausweg. Da die Brescianer Bürger durchdas Privileg der Serenissima von Zöllen und Tributen befreit waren,durfte er nicht wagen, eine Umlage von ihnen zu erheben, denn wenndas venezianische Joch irgendwie drückend empfunden worden wäre,so hätten die Brescianer bei der äußeren Drangsal der Belagerung wahr-scheinlich auf die venezianische Schutzherrschaft verzichtet und sichdem Herzog von Mailand ergeben. Venedig besaß aber noch das Salz-monopol, das der Staat zu allen Zeiten in Italien für sich in Anspruchnahm; außer den schon erwähnten beträchtlichen Zuckerbeständenwaren auch große Salzvorräte aufgestapelt. In einem Augenblick, wo erzur Wiederherstellung der Wälle dringend Geld brauchte, berief Bar-baro das Volk zur Versammlung und erklärte ihm, daß sich jetzt jederfür ein ganzes Jahr mit seinem Vorrat an Salz eindecken könne und daßer gnädig schon jetzt diesen Einkauf gestatte auch über das Maß der