DIE BESCHAFFENHEIT DES MAILÄNDISCHEN HEERES 221
einem jeden zukommenden Ration hinaus. Eine über Erwarten großeSumme Geldes kam dadurch in die Kasse der Rektoren 54 .Die Heeresorganisation des mailändischen Feindes war ganz ähnlich der-jenigen, wie sie uns 200 Jahre später vonWallensteins Armee vertraut ist:eine nichtmilitärische oberste Stelle, die in der Hauptstadt saß und anden Kämpfen nicht teilnahm, doch alle Fäden der Herrschaft über dieOberfeldherren zäh und eifersüchtig in der Hand hielt, — ebenso wie dortder Kaiser in Wien mit seinem Hofkriegsrat, machte es hier der Herzogin Mailand , von dem man sagte, daß er sitzend siege — dann an derSpitze des Heeres der auch im einzelnen von seinem Fürsten in allenEntschlüssen überwachte Oberfeldherr, hier Piccinino, dort Wallen-stein , beides hervorragende Kondottieren oder Söldnerführer; auch ihrSchicksal und ihre Tragik weist Ähnlichkeit auf. Sie dürfen nicht freinach ihren ehrgeizigen Plänen handeln, im Augenblick vor dem höchstenErfolg wird ihre Tatkraft vom eignen Fürsten gedrosselt, um sie nichtübermächtig für den Thron werden zu lassen. Schließlich ist beiden dasHeer nicht einheitlich untergeordnet, sondern es unterstehen ihnen halb-selbständige andre Kondottieren, die mit ihrem Oberfeldherrn in Rivali-tät stehn und es an Gehorsam gegenüber seinen Befehlen häufig fehlenlassen. Im mailändischen Lager ist da Luigi di San Severino, ferner einKondotüere aus Brescianer Haus, Cesare Martinengo, und vor allem dergefährlichste und grimmigste Feind der Brescianer, der wilde ItalianoFurlano aus Forll in der Romagna , aus dem Mutterland der wildesten,aber auch tatkräftigsten Söhne Italiens ; er war kurz zuvor aus veneziani-schen Diensten herübergewechselt und tat es an erbitterter Grausamkeitallen zuvor. Sein Ende war gewaltsam wie sein ganzes Leben; als erwieder einmal an der Partei, der er zuletzt angehörte, Verrat üben wollte,wurde er gefangen und auf Befehl Sforzas und des päpstlichen Legatenenthauptet. Er war besonders unbotmäßig und hielt sich bei seinem tollenDraufgängertum kaum an die Gefechtspläne Piccininos.Da Barbaro von der Uneinigkeit und den Eifersüchteleien der feind-lichen Heerführer wußte, verschmähte er es nicht, sie durch geheimeMachenschaften noch mehr zu schüren und einen gegen den andernaufzuhetzen. Als hingegen ein «Bravo » sich bei ihm meldete und ihmanbot, den Piccinino, zu dessen Dienerschaft er gehöre, meuchlings zu