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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VII DIE BELAGERUNG VON BRESCIA

beseitigen, vorausgesetzt, daß man ihm in Venedig eine hohe Belohnungaussetze, antwortet Barbaro stolz: Wenn Piccinino lebt, werde ich mitgrößerem Ruhme leben und siegen! Diese Haltung, fügt Manelmi hin-zu, sei um so lobenswerter, als ihm zuverlässig gemeldet wurde, daßbei Piccinino nicht der Wille, nur die Gelegenheit gefehlt habe, denBarbaro umzubringen 55 . Das Meucheln und Vergiften der Gegner warin jenem Jahrhundert im Schwange. Auch Venedig macht keine Aus-nahme davon und hätte gerne seine jeweils gefährlichsten Gegner aufdiese Weise beseitigt. Wie man in amtlichen Rechnungen gefunden hat 56 ,hat sich die Signorie die Giftmischer etwas kosten lassen: während desUngarkrieges um das Friaul gegen den König Sigismund und spätergegen den Herzog von Mailand, Francesco Sforza . Beide Anschlägemißlangen, und als der Mörder selbst seinen Auftrag verriet, ließ sichSforza gleichmütig nur das Gift ausliefern, um es gegebenenfalls selbsteinmal weiter zu verwenden. Gegen diese Unbedenklichkeit der Zeit-genossen beim Gift- und Meuchelmord sticht Francesco Barbaro nurum so heller ab, da die Versuchung nicht gefehlt hat. Während anderenur erbauliche Reden im Munde führten und sich in ihren Taten nichtan sie hielten, machte er wirklich Ernst und tat als erster, was er vonseinen Mitmenschen erwartete. Sein fester Entschluß war, in dieser Hal-tung zu siegen oder unterzugehen. Er ließ sich auch niemals von der Grau-samkeit seiner Gegner verleiten, auch mit Grausamkeit Vergeltung anden Gefangenen zu üben. Er duldete nicht, daß gegen den Feind eineTreulosigkeit begangen würde, auch nicht in den gefährlichsten Augen-bücken, denn er pflegte zu sagen, die Feinde sollten von ihm gute undehrenhafte Haltung und Art übernehmen können, wenn sie nur wollten 57 .Vor den entscheidenden Kämpfen schießen die Mailänder Pfeile in dieStadt mit verführerischen Briefchen, alle Bürger, die nicht die Waffenergriffen, sollten straflos bleiben. Um dem entgegenzuwirken, läßt Bar-baro unter den Häuptern der mailändischen Partei in Brescia verbreiten,daß der wilde Italiano kein Pardon geben werde und alle Einwohnerniedermetzeln, die Häuser plündern und verbrennen wolle. Dies habeItalianos Schreiber selbst gesagt, und um das Gerücht zu bekräftigen,ließ Barbaro Briefe desgleichen Inhalts auffinden, die angeblich vomFeinde ebenfalls hineingeschossen worden waren.