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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VENEZIANISCHE NIEDERLAGE BEI MADERNO 243

verlorenginge. In diesem gefahrvollen Augenblick erprobte er wiederumseine geistige Macht über die Seelen der Mitmenschen. Manelmi schreibtergriffen: «So starken Geistes tröstete er sie, daß er wie von der Gott-heit angehaucht weissagte: diese Niederlage werde in kurzem und gegenjegliche Hoffnung den Ruhm und die Freiheit aus sich gebären 93 .» Umdie Bürger nicht in dumpfes Brüten über ihr Ungemach verfallen zu lassen,machte er ihnen die, wie er selbst wohl wußte, trügerische Hoffnung, daß,wenn sie rasch auszögen, sie den Feind vielleicht noch einholen und ihrenTaddeo, den Liebling des Volkes, befreien könnten.Die kleineren Gefechte und Scharmützel der folgenden Zeit fallen wiedergünstig für die Brescianer aus. Um die Stimmung zu heben, läßt Barbaroalle Gefangenen, die man in den Alpentälern macht, nach Brescia bringenund im Triumph den Bürgern zeigen. Obwohl der Senat Weisunggegeben hatte, daß man alle Gefangenen gefesselt in den Kerker werfensoll, läßt sie Barbaro doch menschlich behandeln, so daß sie sich späterbei ihm bedanken, weil sie sich in seiner Schuld fühlten 94 .Alle diese zuletzt beschriebenen Ereignisse, so wichtig und unmittelbarentscheidend sie auch für Brescia sein mochten, sind doch nur Neben-kriegsschauplätze des Jahres 1439. Der feindliche Oberfeldherr Piccinino bleibt zwar immer derselbe, aber auf venezianischer Seite wechseln dieHauptpersonen, gegen die er zu kämpfen hat; zuerst war es Gattamelata ,dann Barbaro und zuletzt Francesco Sforza . Die beiden berühmtenKondottieren Piccinino und Sforza sind ein rechtes Beispiel der Krieg-führung dieser Abenteurer; sie stehen sich ihr ganzes Leben auf wech-selnden italienischen Kriegsschauplätzen gegenüber. Für den HerzogFilippo Maria waren beide die Hauptfiguren seines diplomatischenSchachbrettes: er spielte dauernd den einen gegen den andern aus, weiler aus Furcht für seinen Thron keinen der beiden Heerführer zu mächtigwerden ließ. Wenn der eine zu großes Übergewicht gewann, unter-stützte er den andern, gleichviel ob dieser auf Feindesseite stand. ZuBeginn der dreißiger Jahre des XV. Jahrhunderts hatte sich FrancescoSforza ein eigenes Fürstentum in der Mark Ancona auf Kosten desKirchenstaates gewonnen und vom Papste erpreßt, solange dieser zurAbwehr anderer Kondottieren seiner bedurfte. Als Eugen IV. sich etwasfreier bewegen konnte, suchte er den Grafen Sforza aus den usurpierten

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