Druckschrift 
Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

244

VII DIE BELAGERUNG VON BRESCIA

Landen wieder zu vertreiben. Soweit diplomatische Verhandlungen da-bei zu führen waren, beauftragte er damit seinen Sekretär Biondo. Indieser Zeit zu Beginn des dritten mailändischen Krieges nahm dieRepublik Venedig den Grafen in ihren Sold, doch stand er bereits inheimlichem Einvernehmen mit ihrem Feind, dem Herzog Filippo Maria,dem er sich verpflichtet hatte, nicht über den Po vorzurücken. SeitJahren versprach nämlich der Herzog dem Grafen die Hand seinerTochter Bianca; sie war zwar nur sein uneheliches Kind, aber sie bliebdie einzige Erbin des Herzogtums 95 . Weil das erste Heer der Venezianerunter Gattamelata nicht viel ausrichtete, setzte die Signorie alle Hoffnungdes Kriegs auf Sforza, der als der bedeutendste Feldherr seiner Zeit galtund dem tollkühnen Piccinino durch Bedachtsamkeit überlegen war 96 .Seit Herbst 1437 spielt Sforza in den Briefen Barbaros eine Rolle. AuchBarbaro sucht von Brescia aus in das diplomatische Spiel der italieni-schen Mächte einzugreifen; er läßt durch seinen Vertrauensmann, denKardinal Scarampo, den Papst erfolgreich bestimmen 97 , Sforza von Romaus nicht zu belästigen, damit er Brescia , wie versprochen, entsetzenkönne. Sforza hatte sich gerade dieses Vorwandes für sein Zaudern be-dient. Damals schreibt Barbaro unmittelbar an den Grafen zwei Briefe 98 ,die zu seinen berühmtesten und gelesensten gehören. Wir werden späternoch auf das Verhältnis der beiden Männer näher eingehen müssen. Hiernur soviel: Barbaro erwartete von Sforzas Eingreifen in den Kampf vorallem, daß dessen Ansehen als siegreicher Feldherr auch die noch Schwan-kenden zum Abschütteln des mailändischenjoches ermutigen werde.Dochtäuschte er sich in dem Grafen, der letzten Endes mit Erfolg auf nichtsanderes als auf den Erwerb eigner Macht ausging. Barbaro sah hier, wieschon früher mit seinen Gedanken, die er dem Kanzler Schlick mitteilte 99 ,mit weitem Bück große geschichtliche Aufgaben seiner Zeit; die Tragikwar, daß kein Mann sich fand, der sie erfüllte. Trotz aller Enttäuschungenaber bemühte er sich bis zuletzt, die Männer, auf die er seine Hoffnungensetzte, anzuspornen, die große Tat zu vollbringen, nach der sein Landlechzte: die Einung Italiens ; er glaubt diesem Ziel auch hier mit der Zu-rückdrängung des ränkevollen Visconti einen Schritt näher zu kommen.Der Herzog Filippo Maria hielt, wie erwähnt, seine Tochter dem Sforzawie einen Köder hin, um zu verhindern, daß sein künftiger Schwiegersohn