DAS ENTSATZHEER UNTER SFORZA
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den Feinden helfe. Schließlich mußte er es aber erleben, daß Sforzasein Spiel durchschaute und im Frühjahr 1439 doch den Po überschritt.Piccinino war schon über die Etsch vorgegangen, während sich Gatta-melata hinter die Kanäle bei Padua zurückzog. In kurzer Zeit gelingtes nun Sforza, seinen Gegner zurückzudrängen, und die Hauptkämpfeentwickeln sich rings um den Gardasee , während sich der Markgraf vonMantua vor Sforzas 40000 Mann starkem Heere in Mantua einschließt.Nach der Vernichtung der venezianischen Flotte bei Maderno erkannteder venezianische Senat, daß die Gefahr für das nun wieder ganz abge-schnittene Brescia so drohend war, daß er dem Grafen Sforza den Befehlgab, es unverzüglich zu entsetzen. Dieser antwortet, daß er den einziggangbaren Weg nördlich um den Gardasee, wie ihn Gattamelata ge-nommen hatte, erzwingen könne, dann aber bliebe Verona ungedeckt,in dessen Nähe bei Peschiera der Feind sich verschanzt habe. Venedigerwidert, des Grafen Aufgabe sei es nicht, Verona zu schützen, das wür-den die Stadtkommandanten schon selber besorgen, und für die dortigenEreignisse wäre er nicht verantwortlich. Um die Brescianer zu tröstenund zum Ausharren zu ermuntern, hatte Sforza ihnen schon mehrmalsverkleidete Boten gesandt; einmal einen Mönch, dem die Brescianerzum Dank eine weiße Kutte verehrten 100 . Als dort die Verzweifelung un-erträglich wurde, hatte Barbaro auch sein altes Mittel angewandt, einenvorgetäuschten Brief von dem baldigen Herannahen des Retters vor-zuweisen. Jetzt schreibt aber Sforza eigenhändig, daß man ihn inBrescia im November erwarten dürfe. Um diesem Brief noch größerenWert zu verleihen, hatte ihn Pietro Awogadro, der in sein Feldlager ge-kommen war, gegengezeichnet. Darüber herrscht in Brescia eitel Freude;man berät schon, wie man den Retter trotz der bösen Zeiten prunkvollempfangen wolle. Zunächst lassen die Bürger ein Bild des Kondottierezu Pferde malen und stellen es an dem Stadttor auf, durch welches ereinreiten muß: sie wollten sich durch diesen Anblick eine Vorfreude ver-schaffen 101 . Aber auch der Feind traf seine Vorkehrungen. Die vereinigtenStreitkräfte Piccininos und des Markgrafen von Mantua schifften sichbei Peschiera am Ausfluß des Gardasees ein und landeten am oberenEnde bei Riva. Piccinino legte dann in die nahe Sperrfeste Tenno, dieauf einem Felsen am Ausgange des Sarcatales Hegt, eine starke Besatzung,