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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VII DIE BELAGERUNG VON BRESCIA

um dem Feind hier den Durchzug zu wehren. Sforza hatte aber an Bar-baro melden lassen, daß er ihn unterstützen und den Feind von hintenanfallen möge. So waren die Brescianer im geheimen ausgerückt undhatten sich auf abgelegenen Bergpfaden bis nach Tenno herangeschlichen,und als nun Sforza, der sein großes Gepäck in Verona zurückgelassen hatteund in der Ebene zwischen Riva und Arco lagerte, von Piccinino angegrif-fen wurde, erhob sich plötzlich in dessen Rücken ein gewaltiger Lärm, dadie Brescianer von der Bergeshöhe Felsen herabrollten und das ganzemailändische Heer so sehr in Verwirrung brachten, daß es Hals über Kopfnach den Schiffen floh oder sich im dichten Gehölze verbarg. Piccininoselber rettete sich mit 10 Reitern in die Burg Tenno und wurde dorteingeschlossen. Das behagte aber dem beweglichen Feldherrn nicht, undda er, wie sein Spitzname besagt, von kleiner Gestalt war, wagte er dentollkühnen Streich, sich während der Nacht in einem Sack auf demRücken eines breitschultrigen deutschen Müllersknechtes mitten durchsfeindliche Lager nach Riva schleppen zu lassen. Dort wird der angeb-liche Mehlsack in ein Boot geworfen, und noch während der Nacht warPiccinino wieder in Peschiera, seinem Haupdager. Ehe sich die Vene-zianer versahen, überfällt er mit einigen zusammengerafften Truppendes Markgrafen von Mantua die große Stadt Verona und nimmt sie ohneWiderstand 102 . Diese Ereignisse überstürzten einander so, daß die Bre-scianer sich eben noch am Siege vor Tenno, der ihnen am 9. Novembergemeldet wurde, freuten, als auch schon bei Barbaro die Unglücks-botschaft einlief. Italiano Furlano und ein anderer mailändischer Kon-dottiere, Luigi di San Severino, schrieben ihm einen höhnischen Brief,in dem sie die Überrumpelung Veronas mitteilten und ihn einluden,nun seinerseits auch Brescia zu übergeben. Barbaro in gewohnter Würdeantwortet, daß er keine Bedingungen annehmen werde, die dem Ruhmdes Senats und den Waffen der Republik entgegen seien 103 . Große Sorgemachte es ihm aber, wie seine anvertrauten Städter diese Niederlage,die schlimmer schien als alles Vorhergehende in diesem erbittertenKriege, aufnehmen würden. In der Hoffnung, daß vielleicht doch nochbessere Nachrichten kämen, verheimlicht er ihnen die Wahrheit; daswar um so schwieriger durchzuführen, als die Brescianer täglich nachden Boten mit den ersehnten Nahrungsmitteln ausspähten.