Graf Sforza belagerte indessen schon 11 Tage vergeblich das feste Tenno,konnte es aber ohne Geschütze nicht nehmen. Dort erreichte ihn dieBotschaft von dem Verlust Veronas. Die Winterkälte hatte jetzt ein-gesetzt, und im Kriegsrat rieten schon einige, sich durch die Berge aufVicenza zurückzuziehen; aber Sforza gab den Feldzug dieses Spät-jahres noch nicht verloren. Auch ging es gegen seine soldatische Ehre,daß der von ihm eben Besiegte die Siegesbeute behalten sollte. So rückteer in Eilmärschen auf Verona zu; die Vorhut führte er selbst, währendGattamelata die Nachhut deckte. In der Annahme, daß der Feind dieEbene gut gesichert hätte, legte er das letzte Stück vor Verona nichtam Fluß, sondern durch die Berge zurück. Nun hatte Piccinino beiseinem Handstreich auf Verona nur die Stadt nehmen können; dieaufgescheuchten venezianischen Behörden zogen sich in die Forts zurückund hielten sie bis zur Ankunft Sforzas. Am Abend des 20. Novembererreicht die Vorhut des venezianischen Heeres unbemerkt von den Fein-den das in der Hand der Besatzung gebliebene Fort San Feiice. Vondort dringt Sforza in die Stadt und überrennt am Etschufer eine mai-ländische Abteilung. Die Neue Brücke bricht unter der Masse derFliehenden zusammen; viele ertrinken, die übrigen werden zusammen-gehauen oder gefangengenommen. Bevor Sforza zum Angriff gegen dieandere Stadtseite übergeht, um sie im Verein mit Gattamelata zu erobern,bemerkt er, daß Piccinino und Gonzaga sich in die Zitadelle zurück-ziehen. Unaufhaltsam dringen nun die Venezianer vor, entwaffnen dienoch in der Stadt befindlichen Soldaten und rücken gegen die Burg.Der Feind gibt sie sogleich auf und zerstreut sich in regelloser Fluchtin die Ebene. Ganze Kompagnien streckten die Waffen und wurdenals Gefangene abgeführt. So hatte nach vier Tagen Sforza dem Piccininodas wichtige Verona wieder abgejagt. Es scheint, daß diese Wendungder Dinge dem Herzog Filippo Maria nicht ganz unlieb kam, da er ver-tragsmäßig verpflichtet war, Verona dem Marchese von Mantua zuüberlassen, und ihm dies nicht gönnte 104 .
Dieser endgültige Sieg der venezianischen Truppen brachte jedochzunächst den hungernden Brescianern noch keine Entlastung, dennPiccinino erschien mit seinem Heer plötzlich wieder vor der Stadt undsuchte sie ebenso wie Verona durch Überrumpelung zu nehmen; aber