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VII DIE BELAGERUNG VON BRESCIA
Barbaro hatte Späher ausgestellt und vereitelte den Überfall, der ge-fährlich hätte werden können, da in jenen Tagen die Kälte so heftigwar, daß die Stadtgräben zufroren und die Brescianer sie jeden Morgenwieder aufhacken mußten. Durch die neuen Bedrängnisse waren dieenttäuschten Bürger von neuem so niedergeschlagen, daß Barbaro eineVolksversammlung einberief und ihnen eine lange befeuernde Redehielt. Die Mailänder waren in die Alpentäler weitergerückt und hattendort grausam Rache genommen. Diese Wut schien Barbaro ein sicheresZeichen, daß der Feind in seiner Verzweiflung zum Äußersten gekommensei. Er überzeugte daher auch seine Städter, daß in der Unmenschlichkeitdes Feindes, der weder Weib noch Kind schonte, nur offenbar werde, daßer nicht siegen könne. Aus diesem schweren Schaden, den die Lässigkeitder Brescianer heraufbeschwor, weil sie Barbaros Befehl nicht gehorch-ten und Hilfstruppen zum Schutze der Täler auszuschicken versäumten,werde aber bald die Freiheit hervorbrechen. Die Brescianer hätten jetztkeinen andern Ausweg mehr, als sich durchzuringen oder unterzugehen,denn von sicheren Boten erführe er, daß der Feind geschworen habe,Brescia dem Erdboden gleichzumachen und weder Mann noch Weib zuverschonen, wenn er die Stadt in seine Hand bekäme 105 . Dem Italiano Fur-lano, der noch zwischen Brescia und Verona stand, schrieb Barbaro nunseinerseits einen Brief, daß er in die Zange genommen werde, wenn ersich nicht schleunigst aus dem Staube mache. Italiano hatte ein schlechtesGewissen vor Freund und Feind, weil er aus Eifersucht gegen den Ober-feldherrn Piccinino in Verona nicht unterstützt hatte und dadurch mitdie Schuld am Verlust der Stadt trug.
Das Ergebnis dieser aufregenden Kämpfe war schließlich, daß sich dieBrescianer noch einen Winter allein behelfen mußten, weil Sforza seineTruppen wegen der ungünstigen Witterung in der Umgegend vonVerona ins Winterlager legte, ohne daß es ihm gelungen war, bisBrescia durchzustoßen. Der zähe Piccinino gab ungeachtet so vielerNiederlagen seine Sache noch nicht verloren und brachte Brescia nocheinmal hart an den Rand des Verderbens; nur die maßlose Habsuchtseiner Leute vereitelte die Aushungerung, da sie heimlich aus reichenGegenden in das ausgeraubte Brescianer Land Getreide zu Wucher-preisen verkauften 106 . Aber dies kam durch Schleichhandel nur den