Reichsten zugute. Die Armen zogen wiederum durch die Straßen, undihre Kinder schrien nach Brot, das Barbaro ihnen nicht zu geben ver-mochte. Die Feinde aber spotteten der Eingeschlossenen und nanntensie Mäusebürger, weil es ruchbar geworden war, daß sie alles verzehrten,selbst Mäuse 107 . Barbaro ritt jeden Tag durch die Straßen und den Mauernentlang und tröstete den Schwärm halbtoter Männer und Weiber, diesich um ihn drängten. Über ein kurzes würden sie mit den heutigenLeiden die dauernde Freiheit erkaufen und ewigen Ruhm erwerben.Die Türen seines Hauses standen für jedermann stets offen. Wenn einBürger oder Soldat ihn zufällig beim Mittagsmahl antraf, dann konnteer sehen, daß sein Kommandant nichts Besseres aß als ein aus Gersteund Schoten hergestelltes Brot, und er ging mit mehr Gleichmutfort, da er gesehen hatte, daß der Führer der Stadt nichts Besonderesfür sich haben wollte 108 . Wenn aber die Verzweiflung in Tollkühnheitumzuschlagen drohte und man ihm nahelegte, unter ungünstigen Aus-sichten den Feind anzugreifen, behielt Barbaro auch solchem Ansinnengegenüber seinen kühlen Verstand und lehnte ab 109 .Brescia stand nahe vor dem Fall; auch Graf Sforza spürte das. Im kaltenDezember bricht er noch einmal mit wenigen Truppen an den See aufund belagert Arco. Er kann es zwar nicht erobern, aber er schafft dadurchden Brescianern doch etwas Luft, da sich Piccinino genötigt sieht, dieVerheerung der Umgegend der Stadt aufzugeben und nach Riva zuHilfe zu eilen. Wenigstens eine kleine Freude hatten die gequältenBrescianer zu Weihnachten, denn am 21. Dezember gelang es einerkleinen Abteilung vom Heere Sforzas, sich nach der Stadt durchzu-schlagen, wo sie festlich empfangen wurde 110 .
Das neue Jahr 1440 begann etwas hoffnungsvoller, da von Venedigher die Versorgung Brescias mit äußerster Energie betrieben wurde und daSforza Proviantlager in der Veroneser Klause und in Torbole anlegte, dieüber den See verfrachtet wurden. Am Neujahrstage kann Barbaro denStadträten mitteilen, daß im Ledrotal eine große Menge Weizen aufge-stapelt sei und es nur an Maultieren fehle, sie weiterzutragen. Als aberdie Sendung eintrifft, ist man über ihre Geringfügigkeit enttäuscht, dasie nicht ausreicht, so viele hungrige Münder zu sättigen. Jetzt wirdPietro Avvogadro nochmals ausgesandt. Bevor er abreist, spricht er