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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VIII ALTERSWEISHEIT

Herzog vergeblich überall nach Hilfe, und weil es nicht mehr anders geht,bietet er seinem Schwiegersohn Sforza den Oberbefehl über alle mailän-dischen Truppen an, zugleich stellt er ihm eine beträchtliche Geldsummein Aussicht; aber da er nicht aufhört sich vor ihm zu fürchten, ver-bietet er ihm, nach Mailand zu kommen, schickt auch das Geld nicht, sodaß Sforza den Kirchenstaat nicht verlassen kann. Inzwischen erregendie Venezianer Unruhen im Innern der Stadt Mailand auch auf diesespielte Barbaro mit seinem Wort vom Brand in den Eingeweiden an. Dannaber tritt der folgenschwere Umschwung ein.

Der unbestritten größte Feldherr seiner Zeit, GrafSforza, der den Vene-zianern so lange die besten Dienste geleistet hatte, erklärt sich gegen sieund wird von nun an zu ihrem bittersten Feinde. Nachdem er in Venedigso gefeiert worden war, hatte Sforza die Absicht, sich dort dauernd nieder-zulassen, und legte am Canal le grande den Grundstein zu einem prächtigenMarmorpalast. Der Bau war kaum mannshoch gediehen, als die Nachrichtvom Abfall Sforzas in Venedig ruchbar wurde. Die erzürnte Signorie Heßsofort die Arbeiten einstellen, und die unberührt gebliebenen Grund-mauern der Ca Duca erinnern noch heute als ein Wahrzeichen an diesenunheilvollen politischen Umschwung.

Es ist für uns wesentlich, zu verfolgen, welchen Eindruck dieses Ereignismit seinen sich immer noch verstärkenden unabsehbaren Folgen aufBarbaro hervorbrachte. Zuerst (am 28. Juni 1447) meint er, der HerzogFilippo Maria werde schon durch die Umtriebe im Innern der Stadt zumFriedensschluß gezwungen werden, «auch wenn die Veteranenlegion mitdem Grafen Franciscus zu ihm stieße 27 ». Am 2. Juü: «Ich wünsche, daß derGraf Franciscus so erschöpft und ausgeplündert ist, daß er nicht nachGallien hier ist wieder Gallia cisalpina, die Lombardei , gemeint kom-men kann, doch ich habe den Argwohn, er muß von anderer Seite Geldgeschickt bekommen, so daß der Lauf unseres Glücks von denen ge-hemmt oder gehindert wird, die ohne Schuld des Senates zu dem Glaubenkommen, daß sie durch die Größe oder den Ruhm unserer Herrschaftgeschädigt würden... Wir müssen uns hüten, wenn wir nach neuenBundesgenossen suchen, die keine Waffen besitzen, daß wir mehr willich nicht sagen alte, aber bewaffnete und um uns wohlverdiente ver-lieren. Schwerlich aber werde ich zum Glauben verleitet, daß der Erlauchte