BEGINN DES VIERTEN MAILÄNDISCHEN KRIEGES 269
Da der Herzog den venezianischen Gesandten Foscarini gar nicht vorläßtund sich weigert, von der Belagerung Cremonas Abstand zu nehmen,so treten gegen ihn die Vertragsgaranten für den Besitz Sforzas, Florenz und Venedig, in den vierten mailändischen Krieg ein, der sich so langehinzog, daß Barbaro sein Ende nicht mehr erlebte. Zunächst trugen dieVenezianer am 28. September einen großen Sieg im Kampfe um Cremonabei Casalmaggiore davon; dadurch wurde der mailändische Kondot-tiere Francesco Piccinino, Sohn des verstorbenen Niccolö, mit dem derHerzog dasselbe Spiel gegen Sforza trieb wie mit seinem Vater, bis aufMailand zurückgeworfen; die venezianischen Truppen drangen plün-dernd bis vor die Tore der Stadt.
Noch in keinem der bisherigen Kriege rückte dem Herzog die Gefahrso nahe wie in diesem vierten und letzten Kampfe mit Venedig. Barbaro,der seit den Strapazen von Brescia in seiner Gesundheit erschüttert war,wurde in diesen Jahren von Gelbsucht (itterizia) geplagt. Im Jahre nachder mailändischen Gesandtschaft mußte er deshalb die angebotene Prä-tur von Padua ausschlagen, aber im Dezember 1446 ging es ihm besser,und er konnte eine Gesandtschaft an Lionello d'Este nach Ferrara aus-führen, um diesen für die Sperrung seines Gebietes gegen ein den Vene-zianern feindliches Heer zu gewinnen. Im übrigen mußte er bei seinemNeffen Ermolao, der damals Bischof in Treviso war, und dann in seinerVilla San Vigilio aus der Ferne das Geschehen in der Lombardei beob-achten, doch nimmt er auch jetzt an den einzelnen Kriegsereignissenregen Anteil, die sich in strategischen Ratschlägen seiner Briefe wider-spiegeln. So richtet er sein Augenmerk 26 auf den wichtigsten Punkt indiesem Feldzug, den Brückenkopf bei Lecco, wo die Adda den Comerseeverläßt. Wenn mögüch, sollten die Venezianer ihn besetzen, aber einFehlschlag dürfe dieses Unternehmen auf keinen Fall sein; sonst solleman es ganz unterlassen, damit nicht die Alpenbewohner durch einunrichtiges Beginnen in ihrer feindlichen Gesinnung eher bestärkt alsabgeschreckt würden. Als dann Lecco durch eine Kriegslist mit starkenVerlusten des Feindes gefallen ist, wünscht Barbaro, man solle sich auchComos und des ganzen Sees bis hinauf ins Veltlin bemächtigen, damit derFeind fühlen soll, wie der Brand in seinen Geweiden frißt (sentiret hostisali incendium in visceribus suis!). In seiner Not sucht der bedrängte