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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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MÄSSIGUNG BARBAROS NACH DEM SIEGE

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Waffenerfolge nicht etwa ihre, sondern der Feinde Kräfte verstärkthätten. So würden auch jetzt alle, die aus Mangel an Vertrauen in dieeigene Kraft der Aufstieg der venezianischen Macht schreckte oder diesich durch heimtückische Machenschaften um Venedig übel verdientgemacht hätten, glauben, es sei um ihre Herrschaft geschehen, wennVenedig im Krieg Glück habe. Mit allen diesen werde man Händel be-kommen, wo man Frieden erwarte. Insbesondere sei das gute Verhältniszu Florenz bedroht, das nach dem Tod des Herzogs keinen Grund mehrzum Kriege habe. Wenn Florenz jetzt sähe, daß mit seiner Hilfe nurVenedig sich ausbreite, könne das Bündnis nicht mehr länger bestehen.Die «reguli finitimi», die Este und Gonzaga, würden auf die Seite derGegner treten. Bedrohliche Heere ständen ringsum; was die Präten-denten auf den Mailänder Thron, König Alfonso und Graf Sforza , fürAnsprüche machten, wisse man ja. Auch könne man sich vorstellen, wieGenua vor Empörung aufschäumen werde, wenn Venedig den Versuchmachen sollte, Genuas Bundesgenossen und Nachbarn Gesetze auf-zuerlegen. Der Senat müsse weise handeln und sich nicht von eitlerHoffnung eines trügerischen Glückes ködern lassen, sondern den Laufder Unternehmungen so lenken, daß man sähe, wie die Venezianer mitvollem Recht, aber für einen undankbaren Bundesgenossen gemeintsind die Florentiner den Krieg unternommen und dann zu gemein-samem Nutz und Frommen dem Frieden zuliebe die Waffen nieder-gelegt hätten. Dies sei das einzige Mittel, um einen ständigen Friedenzu erhalten, und die Nachkommen würden die Heutigen in den Himmelerheben, weil sie der Ratio und nicht der Fortuna gefolgt wären. «Dochfalls jener Sforza, der Führer (Sfortianus iste dux), ein Mars, wie siesagen, beabsichtigt für seine eigne Tyrannis zu kämpfen, so wird er ehernoch auf andere Feinde außer uns stoßen, als wenn wir nur für unsereHerrschaft in den Kampf gingen.» Die Mailänder schließlich würdensehr viel lieber für ihre eigne Freiheit als für die Knechtschaft unter Sforzakämpfen. Da nur die Wahl gelassen sei, ob man Mailand gegenüberFreund oder Feind werde, so beantrage er, daß man Mailands Freund-schaft suche und dauernd festhalte.

Leider drang der Rat Barbaros, der seine tiefe Einsicht zeigt, nichtdurch. Der Senat, den er beschworen hatte, weise zu handeln, verfiel

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