SFORZA KÄMPFT GEGEN DIE VENEZIANER 275
der sich kaum ohne ihren Untergang löschen läßt 30 .» Bald darauf, am3o.November 1447, schreibt er an Ermolao Donato entsetzt über die grau-same Erstürmung Piacenzas durch Sforza 31 : «Stell dir vor, weder Kirchennoch Jungfrauen noch Kinder haben sie geschont; alles diente ihnenzur Beute und zu ihrer Wollust. Es wurden, wie ich höre, selbst die, dienoch nicht begonnen hatten zu leben, gezwungen zu sterben... Wenndies auch schwer und herb ist, so mahne ich doch, daß man es hohenSinns und mit Würde ertrage, damit der Feind merkt, daß wir durch Un-glück eher erbittert als verstört werden.» — Bei solchen Worten tauchtvor uns wieder Barbaros Bild auf, wie er seinen Staat sieht: als die wind-gepeitschte Pinie, die im Sturme ächzt, aber nicht entwurzelt wird. BöseWorte findet er gegen jene Senatoren, die seinen Rat verworfen haben.«Ich würde darauf eingehen, mit welchen Künsten man dem Schicksalwiderstehen könnte, wenn nicht die meisten unserer Väter (die Sena-toren) ihre Größe Heber durch Reden und Beschließen als durch Hörenzeigen wollten!... Jetzt, jetzt wo der Staat zu Boden gestürzt scheint,müßte man ihn über die Niederlage hinaus aufrichten, nicht minderdurch Gold als durch Eisen, und jetzt müßte man mit jeder Kunstverbindlichen Wohlwollens alle diejenigen anlocken, die bisher die An-maßung und Habgier des Feindes nur widerwillig ertrugen.»Wir kennenbereits von Brescia her diese im Unglück feste Haltung Barbaros;damals erhob er seine Stimme, um den Mut der belagerten Stadt an-zufeuern; seither ist seine innere Würde noch gewachsen, so daß er inseinen Altersjahren den echten Ton des Warners und Sehers hat.Aber das Schwerste stand noch bevor. Mitte Juli 1448 greift Sforza dievenezianische Po-Flottille an und setzt sie durch Artilleriefeuer außerGefecht. Der venezianische Admiral steckt seine Schüfe in Brand undläßt sie flußabwärts auf die mailändische Flotte zutreiben. Sforza kanndie Zügellosigkeit der eigenen Mannschaft, die die venezianischen Schiffeplündern will und dadurch sein Lager von Wachen entblößte, nur soeindämmen, daß er die feindlichen Wracks in die Luft sprengt. Dannschreitet er zur Belagerung von Caravaggio . Um es zu entsetzen, ziehtdas venezianische Heer herbei. Der Senat hatte seine einflußreichstenStaatsmänner, Federigo Contarini und Ermolao Donato, als Provvedi-toren ins Lager abgesandt. Barbaro, der jetzt als Statthalter (luogotenente)18 •