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VIII ALTERSWEISHEIT
der ihnen teuer zu stehen kam, denn sie gingen dort in die Falle undwurden vernichtend geschlagen, nooo Reiter, sowie das ganze Fuß-volk, bis auf den letzten Mann, gerieten in Gefangenschaft; das ganzeKriegsgepäck und -gerät ging an die Feinde verloren. Unter den Ge-fangenen waren auch die beiden Proweditoren Contarini und Donato.Wieder muß Barbaro beklagen, daß man auf seinen Rat nicht gehörthat; oft habe er vertraulich und in der Öffentlichkeit ausgesprochen, daßnirgendswo weniger als im Kriege der Ausgang den Erwartungen ent-spräche, deshalb seien minder gefahrvolle Entschlüsse stets vorzuziehen;er wolle es aber nicht wie jene Ärzte machen, die nach dem Tode derFreunde gewöhnlich sich über die möglichen Kuren verbreiteten. Trotzder schweren Niederlage sei kein Grund zumVerzweifeln vorhanden; dennnun habe sich das Verhältnis umgekehrt: viele, die einen besiegten Sforzanicht im Stiche gelassen hätten, würden einen siegreichen mit Argwohnbetrachten. Was die Zukunft bringe, wisse er nicht, aber er verzweiflenicht; wenn man von allen Seiten neue Truppen herbeizöge, könne mansich durch Zögern halten. Der Neid, der auf Venedig so gedrückt habe,solange es siegreich war, dürfte jetzt bei veränderter Lage in Hilfsbereit-schaft für die bedrängte Stadt umschlagen. Doch vor allem sei innereEinkehr vonnöten (si coram Deo prosternamur !) 36 .Barbaros Freund, der Arzt Pietro Tommasi, der uns schon manchmalbegegnet ist, hatte damals die unangebrachte Laune, die recht unrühm-liche Niederlage der Venezianer zum Gegenstand eines prunkvoll stilisier-ten und gefeilten Rundschreibens in der bekannten Art der Humanisten-briefe zu machen; er sandte es auch an Barbaro. Diesem aber ging dasMißgeschick der venezianischen Waffen viel zu nahe, als daß er sichdurch wohlklingende Humanistenworte über die harte Wirklichkeit hin-wegtäuschen konnte. Solche Schönrednerei am unrechten Platze empörteihn. Er antwortet darauf mit einem formal wie immer ausgeglichenen,aber inhaltlich entgegen seiner sonstigen Verbindlichkeit doch sehr schar-fen Brief 37 . Die ganze Wahrhaftigkeit und Strenge seines Wesens tritt indieser Antwort zutage. Tommasi scheine in seiner Meinung beträchtlichvom karthagischen Volke abzuweichen, das seine Führer, wenn man sichmit dem Feinde schlecht geschlagen hatte, ans Kreuz schlug; er aber lobeund hebe diejenigen in den Himmel, die an dieser schändüchen und