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VIII ALTERSWEISHEIT
daß Sforea mit seinem kampferprobten Heere ihn vor dem Untergange inBrescia errettete. Der Medici beabsichtigte damit zunächst, dem Viscontivor Sforza Angst einzujagen, dann aber wollte er großmütig zeigen, daßer trotz Ablehnung seiner Wünsche die Venezianer nicht im Stiche ließe.Der Herzog von Mailand war wegen des Mißerfolges seiner Waffenbesonders über die Florentiner erzürnt, in denen er die Hauptschuldigenvermutete. Als daher Piccinino in Oberitalien geschlagen war, gab erihm im Februar 1440 den Befehl, jetzt die Florentiner wieder anzugreifen;Rinaldo degli Albizzi und andere Verbannte schlössen sich dem mai-ländischen Heere, das mit 6000 Reitern über den Po ging, an; sie ließenCosimo wissen, daß sie nicht schliefen, worauf er schlagfertig antwortete,er glaube gerne, daß er ihnen den Schlaf raube. Albizzi hatte dem HerzogFilippo Maria vorgespiegelt, beim Einrücken Piccininos in Toskana würden die Florentiner von den Medici abfallen, aber der erwartete Auf-stand brach nicht los, da das breite Volk an seiner für Cosimo günstigenGesinnung festhielt und er selber dafür gesorgt hatte, daß die städtischenBehörden mit zuverlässigen Leuten besetzt wurden. Sforza wollte mitGewaltmärschen den Florentinern zu Hilfe eilen, aber die Venezianervermochten ihn durch viel Geld davon abzuhalten, denn noch war ja derFeldzug für sie selbst nicht beendet; doch schickt Sforza seinem FreundeCosimo wenigstens einige Hilfstruppen, die zum Siege der Florentinerüber Piccinino bei Anghiari am Fuße des Appenins erheblich beitrugen.Der auch hier geschlagene Kondottiere mußte aus Toskana weichen, undCosimo veranlaßte, daß über diejenigen Florentiner, die den Feind unter-stützt hatten, die lebenslängliche Verbannung ausgesprochen wurde. Alssein Todfeind Rinaldo degli Albizzi dies erfuhr, traf ihn beim Mittags-mahle in Ancona , wohin er geflüchtet war, der Schlag.Nach dem Tode des Herzogs Filippo Maria erkaltet die Freundschaftzwischen Florenz und Venedig schnell. Zwar schreibt Barbaro noch ineinem Empfehlungsbrief 1447 an Cosimo, daß ihre Freundschaft in der-selben Haltung (eodem tenore) schon 3 4 Jahre unverletzt dauere 49 , aber imnächsten Jahre nach der Niederlage bei Caravaggio verhehlt ihm Barbaronicht, daß ihre persönliche Zuneigung von der Staatspolitik her schwererBelastung unterworfen sei. Sie hatten miteinander verabredet, solangeder Krieg zwischen Venedig und Sforza andauere, sich nicht zu schreiben.