DIE POLITIK DES COSIMO DE'MEDICI
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an, die die staatlichen Beziehungen zwischen Florenz und Venedig trübensollten. Im nächsten Jahre verhandelte Cosimo als Gesandter seinerHeimatstadt mit dem Dogen Foscari darüber, ob Venedig einwilligenund Geld geben wolle, damit Graf Sforza den Florentinern in ihrem nochunentschiedenen lang sich hinziehenden Kampfe gegen das streitsüchtigeLucca zu Hilfe kommen könne. Die Lucchesen stützten sich auf Picci-nino, der sogar offen gedroht habe, ganz «Etrurien .» knechten zu wollen.Der Doge lehnte jedoch ab und meinte, daß die florentinischen Bundes-genossen ein so ausschließlich toskanisches Unternehmen wie das gegenLucca auf eigne Kosten führen müßten. Diese Absage gab der Freund-schaft Cosimos mit den Venezianern den ersten Stoß, als er unverrich-teter Sache die Stadt verlassen mußte.
Auf dem Rückwege besuchte er das Unionskonzil von Ferrara; in from-mer Begeisterung unter dem erhebenden Eindruck der Einigung, derzwischen den beiden Kirchen zustande zu kommen schien, berichtet eran Barbaro, wie die beiden Kardinäle Cesarini und Bessarion die ge-meinsamen Glaubenssätze verlasen, und wie alle Hörer und Zuschauerfreudig und ergriffen waren 48 . Cosimo überredete damals den Papst,wegen der in Ferrara herrschenden Seuche das Konzil nach Florenz zuverlegen. Da er gleichzeitig auch die Bankgeschäfte des Konzils zuBasel führte, mußte er sich sehr vorsichtig zwischen den Gegnern hin-durchschlängeln, um bei keinem von ihnen anzustoßen. Den hierbefolgten geschäftlichen Grundsatz, bei streitenden Parteien gleich-zeitig seinen Vorteil zu suchen, übertrug Cosimo auch auf die floren-tinische Staatspolitik; das ging aber nur so lange, als Sforza sich nichtzum offnen Gegner Venedigs erklärte. Das Jahr 1438 brachte die bekannteUmlagerung der Kriegsschauplätze. Florenz wurde von der Bedrohungdurch Piccinino frei; dieser zog dafür gegenBrescia, während Sforza,stattBarbaro zu Hilfe zu eilen, mit König Rene von Anjou, der Erbansprücheauf den neapolitanischen Thron machte, gegen Alfonso d'Aragona inSüditalien focht. Cosimo, selbst vom Kriege verschont, hielt jetzt mitdem Finger das Zünglein an der Wage der italienischen Politik, zumalGraf Sforza ihn um Rat fragte, wie er sich zu den italienischen Händelnstellen solle. Cosimo entgalt jetzt seinem Freunde Barbaro, daß dieser vorwenigen Jahren zu den Rettern seines Lebens gehört hatte; er veranlaßte,
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